Bootsurlaub Zuid-Holland

Bootsurlaub Zuid-Holland

Von Limburg über Brabant an den Oude Rijn: Bootsurlaub Zuid-Holland

Dieses Jahr planten wir unsere erste Fahrt sehr früh. In der vierten Märzwoche machten wir uns auf den Weg zu unserem „Bootsurlaub Zuid-Holland“. Der erste Zwischenstopp war in Venlo.

Stadthafen Venlo
Stadthafen Venlo

Hier in Venlo ist immer die Gelegenheit, das einzukaufen, was man vorher vergessen hat an Bord zu nehmen. Es war noch recht frisch, das Thermometer zeigte tagsüber 12 Grad und es war stürmisch mit Windstärken bis 7 Beaufort, aber es gab auch immer wieder sonnige Abschnitte. In der Nacht sanken die Temperaturen bis auf 6 Grad. Zum Glück haben wir unsere Boots-Dieselheizung. Dem Wetter entsprechend waren wenig Gäste zum Stadt-Passantenhafen nach Venlo gekommen. Wir sichteten drei weitere Boote, die wir im Verlaufe der Weiterfahrt noch einmal in Grave sehen sollten.

Der neue Passantenhafen von Venlo ist für Schiffe bis 15 m Länge erreichbar. Er liegt sehr zentral am schön gestalteten Maasboulevard, der mit Restaurants und Außenterrassen eine sehr entspannte Atmosphäre verbreitet. Die schöne Innenstadt von Venlo mit vielen Geschäften und einem sehr großen Wochenmarkt am Samstag schließt sich direkt an. Ein großer Supermarkt ist auch nur wenige Minuten zu Fuß entfernt. Leider gibt es an Infrastruktur lediglich Stromversorgung, für die man in einem der Restaurants Marken kaufen kann. Die Übernachtung kostet für unser Boot 10 €.

Yachthafen Grave
Yachthafen Grave

Am nächsten Morgen nahmen wir Kurs auf Grave. Auf der Weiterfahrt bekamen wir es mit heftige Orkanböen zu tun. Der Wind war noch stärker als am Vortag. Wir fuhren mit der Strömung. Da jedoch der Wind aus der Gegenrichtung kam, baute der Sturm ordentliche Wellentäler auf, die gegen Fionas Rumpf schlugen und das Boot wippen ließen.

Wassersportclub Grave
Grave

Der WSV „De Stuw“ Grave liegt ganz zentral in dem zauberhaften Örtchen Grave und bietet alle Versorgungsmöglichkeiten. Für die Übernachtung bezahlt man 1,20€ pro Meter. Als wir gerade in der Box vertäut sind, kommen die anderen drei Boote, die am Vortag in Venlo lagen. Der Hafenmeister wunderte und freute sich gleichermaßen, dass heute so viel los ist. Ob denn in Deutschland Ferien wären … 🙂 Wir machten einen kurzen Bummel durch Grave und bereiteten uns schon mal innerlich auf die Weiterfahrt bei einer steifen Brise vor.

´s-Hertogenbosch – Den Bosch

Am nächsten Tag nahmen wir Kurs auf Den Bosch, wie die Einwohner ihre Stadt selber nennen. Offiziell heißt die Stadt ´s-Hertogenbosch und ist die Hauptstadt der Provinz Brabant. Jetzt, vor dem 1.4., waren noch einige Brücken und Schleusen unbesetzt oder hatten reduzierte Bedienzeiten. So würden wir die Zuid-Willemsvaart, die zurück nach Roermond führt, jetzt noch nicht befahren können, da die „Sluis 0“ erst ab dem 1.4. betrieben wird.

Den Bosch
In ´s-Hertogenbusch, Passantenhaven

Den Bosch liegt in einer Sackgasse, in die man hineinschleust und  dieses meist mit großen Arbeitsschiffen gemeinsam macht. Bereits hier fällt uns ein Bauboom auf. Die Schiffe transportieren Baumaterialien. In den Bosch expandieren viele Firmen mit Neubauten.

In Den Bosch gibt es mehrere Möglichkeiten anzulegen. Die ersten Anlegestellen sahen wir schon in der Nähe eines Industriegebietes vor der Stadt. In der Stadt bietet der WSV de Waterpoort mehrere Passantenliegeplätze vor und hinter der Havenbrug und im Brede-Haven hinter der Boombrug. Alle haben Strom- und Wasserversorgung, und die sanitären Einrichtungen findet man im Brückenhäuschen an der Boombrug. Wir entschieden uns für den Brede-Haven, da er uns ruhiger erschien. Die Übernachtung kostete hier für uns 10 €.

´s-Hertogenbusch
´s-Hertogenbusch City

Wieder waren nur sehr wenige Leute mit ihren privaten Schiffen in der Stadt. Wir waren an dem Anleger die einzigen Gäste. Die Hafenmeisterin erklärte uns nicht ohne Stolz, dass erst einen Tag vor uns ein 6,20 Meter-Boot über Nacht blieb. Die ersten Gäste der Saison waren wir also doch nicht.

Die Stadt ist sehr schön, es gibt viele guterhaltene restaurierte Häuser. Eine Fußgängerzone mit großem Marktplatz und vielen Geschäften und Lokalen sind auch dabei.

Einkaufcenter Den Bosch
Arena: Einkaufcenter Den Bosch

Das Wetter wurde besser. Der Sturm verzog sich, die Temperaturen stiegen in der Spitze auf 15 Grad. Der Himmel klarte auf, es war bewölkt mit einzelnen Sonnenepisoden. Am nächsten Morgen ging es weiter nach Woudrichem.

Woudrichem

Yachthafen Wourichem
Yachthafen Woudrichem

Woudrichem ist die kleine Schwesterstadt von Gorinchem, das wir letztes Jahr besucht hatten. Es liegt gegenüber von Gorinchem an der Merwede, die weiter stromaufwärts Waal heißt. Da wir Woudrichem bislang nicht kannten, hatten uns für den Ort entschieden und als Liegeplatz den Yachtclub W.S.V. Woudrichem gewählt. Die Anlage liegt sehr idyllisch. Die Mitglieder des Yachthafens hatten soeben ihr neues, schickes Vereinsgebäude fertiggestellt.

Passantensteiger Wourichem
Passantensteiger Wourichem

Auf der anderen Seite von Woudrichem nahe der Merwede liegt im historischen Stadthafen der Gästesteg mit der schönen Brücke. Woudrichem bietet ein paar kleine Geschäfte und einige Lokale. In der Hochsaison wird zwar mehr los sein, aber so voll wie in Gorinchem wird es hier nicht werden. Die Sonne zeigte sich oft und wir genossen unsere Ortsbegehung 🙂

Woudrichem – Nieuwegein

Am nächsten Morgen starteten wir zu unserem nächsten Ziel: Über den Merwedekanal nach Nieuwegein. In Gorinchem werden Freizeit-Skipper durch die kanalisierte Linge geschickt, bis sie bei Arkel wieder mit dem Merwedekanal zusammenkommt. Der Merwedekanal ist landschaftlich sehr schön, es ging vorbei an reetgedeckten Häusern, und bei gutem Wetter genossen wir die Fahrt. Bis zum Lek wird der Merwedekanal von Berufsschiffen befahren und es werden alle Brücken ganzjährig bedient. Nördlich des Lek fahren die Berufsschiffe über den Lekkanal. Wir mussten die Bedienung der Koninginnensluis Richtung Nieuwegein einen Tag  vorher telefonisch anmelden. Wir waren etwas eher da als angekündigt, der Schleusenwärter auch, so dass wir schnell und unkompliziert geschleust wurden.

Durch Zuid-Holland
Durch Zuid-Holland

Nieuwegein ist eine Stadt, an der die meisten Skipper leider vorbeifahren, da in der Nähe die überaus beliebten Ziele sind wie z.B. Gouda und Utrecht. 1971 erst entstand Nieuwegein durch Zusammenlegung der Gemeinden Jutphaas und Vreeswijk.

Stadthafen Nieuwegein
Stadthafen Nieuwegein

Im zentral gelegenen Stadthafen von Nieuwegein-Vreeswijk haben wir uns sehr wohl gefühlt. Fast skandinavisch mutete uns die Umgebung an.

Bootsurlaub Zuid-Holland
Stadthafen Nieuwegein

Zeit, die Stadt zu erkunden! In Nieuwegein-Vreeswijk gibt es eine Museumswerft und viele historische Schiffe, die direkt in der Stadt liegen und auch bewohnt werden. Ein Markt fand auch statt und wir konnten den ersten Kibbeling in der Bootssaison probieren!

Nieuwegein
Nieuwegein Altstadt

Die Altstadt ist geteilt durch den Kanal und besitzt ein ehemaliges Schleusenbecken, das aber jetzt zugemauert ist. Das ehemalige Schleusenwärterhäuschen wird dennoch weiter genutzt: Allerdings zum Haareschneiden, denn jetzt ist ein Herrenfriseur eingezogen, der sich einen Mini-Haarsalon eingerichtet hat. „Einmal Schleusenwärter-Frisur bitte“ 😉

Herrensalon
Friseursalon ehem. Schleusenwärterhaus

Das war das Ergebnis meines Besuchs im ehemaligen Schleusenwärterhauses. Nun konnte unser Bootsurlaub Zuid-Holland beginnen! Wir verbringen noch einen schönen Abend in der Stadt und machen uns am nächsten Morgen wieder auf den Weg.

Von Nieuwegein nach Gouda

Mögliche Gefahren eines „frühen“ Bootsurlaub Zuid-Holland: Wir hatten uns unser Fahrt-Timing so eingeplant, dass wir am 1.4. durch die Brücken der Hollandse IJssel fahren konnten, denn dann wurden sie laut Almanak bedient. Nach wenigen hundert gefahrenen Metern entdeckten wir an der Doorslagbrug etwas, womit wir nicht gerechnet hatten…

Doppelrot vor Brücke
Doppelrot vor Brücke trotz 1.4.

Was ist das? Doppelrot sollte seit seit dem 1.4., also ab heute nicht mehr sein. Sollte unser Bootsurlaub Zuid-Holland hier zu Ende sein? Wenn diese Brücke nicht öffnen würde,  müsste man den großen Schlenker über Rotterdam fahren … ein Riesenumweg, und natürlich ist auch die Schleusung zurück in den Lek bei der Koninginnensluis nicht angekündigt.

Ein Telefonat verhalf schließlich zu einer Öffnung und wir konnten unseren Weg fortsetzen. Unsere Befürchtung, dass die anderen Brücken, die wir uns auf der Hollandse IJssel öffnen lassen müssen, sowie die Schleuse vor Gouda auch noch im „Winterschlaf“ wären, zerstreute sich, nachdem wir den ersten Gegenverkehr hatten 🙂

Stadthafen
Stadthafen

Dieser Stadthafen ist sehr schön, deshalb bekommt er gleich zwei Bilder (oben und unten).

Stadthafen Zuid-Holland
Stadthafen

Wir gewannen viele neue Eindrücke. Hier gibt es sehr schöne Orte und Städte und immer wieder hübsche Haltemöglichkeiten.

Zuid-Holland
Aufstoppen vor Brücke

Allerdings gibt es auch zahlreiche Brücken, die für uns geöffnete werden müssen. Die meisten sind unter 2 m, viele haben auch nur eine Durchfahrthöhe von unter einemMeter. Unsere Schiffshöhe beträgt 3,40 Meter mit oberem -abnehmbarem- Geräteträger. Wenn wir ihn abnehmen, dann beträgt die Höhe noch 3 Meter über der Wasserlinie.

Vor Gouda
Vor Gouda

Wettermäßig ging es auf die 20 Grad. Windstärken mit ein bis zwei Beaufort waren nicht der Rede wert.  So hatten wir uns den Bootsurlaub Zuid-Holland gewünscht: Langsam und entspannend durch die schönsten Gegenden in Zuid-Holland bei Sonnenschein!

Schleuse Zuid-Holland
Schleuse stromaufwärts vor Gouda

Vor Gouda hatten wir noch eine kleine, aber interessante Schleuse. Auch hier gab es eine zügige Bedienung. Der Schleusenwärter stand schon parat bei unserem Eintreffen und schien sich zu freuen, endlich mal wieder seine Schleuse in Gang setzen zu können nach der langen Winterpause. Nun war es nicht mehr weit nach Gouda. Wir hatten jetzt nur noch die große Schleuse vor Gouda vor uns. Auch diese Schleusung lief sehr zügig, fast ohne Wartezeit für uns.

Gouda, Hollandse Ijssel
Gouda, Hollandse Ijssel

Hier auf der Hollandse Ijssel vor Gouda gibt es ein paar Gästestege. Die eine Seite war ganz hübsch: Der Blick nach Gouda. Die andere Seite war nicht so prickelnd. Hier sah es eher industriell aus. Die Mallegatsluis sowie die Brücken von Gouda waren zu dieser frühen Jahreszeit noch geschlossen, so dass wir leider nicht durch Gouda fahren konnten, und auch die Passantenliegeplätze waren nicht zu erreichen. Hier fänge die Saison erst Mitte April an.

Unser Ziel für heute war deswegen der W.V. Gouda, der fast im Zentum liegt bzw. nur etwa 2 km von der Altstadt entfernt ist. Der Hafen bietet Strom, Wasser, Waschhäuser, WiFi und liegt gegenüber einem Einkaufszentrum  mit einem Baumarkt, Möbelgeschäft, Schuhladen, ein großer Discounter für Sonderposten (heißt Action) und das alles ist sogar am Wochenende geöffnet. Die Übernachtung im Yachtclub kostete hier 11 €.

Yachtclub Gouda
Yachtclub Gouda

Gouda gehört zu den „Must-See-Places“. Wir werden von der Stadt noch Bilder nachreichen im nächsten Teil dieser Reise. Bootsmäßig gesehen war es sehr leer in der Stadt. Die Passantenanleger in der Stadt waren alle unbesetzt.

Gouda Anleger
Gouda City: Trotz schönstem Aprilwetter Leere

Gouda ist wunderschön. Tagsüber erkundeten wir die Stadt mit dem Fahrrad, am Abend gab es ein Bier auf dem Marktplatz mit der eindrucksvollen Kulisse des Stadthuis. Am nächsten Tag unternahmen wir die anstrengendste Fahrt überhaupt in diesem Urlaub. Es ging zur Stadt Zoutermeer. Fahrtstrecke: 44 km. Jedoch mit dem Fahrrad. Für uns war es die erste Tour. Vielleicht ein bisschen weit für die erste Tour in 2016. Nach der Tour hatten wir erst einmal „Körper“ 😉

Das eigentliche Ziel unserer ersten Etappe unseres Bootsurlaub Zuid-Holland sollte Alphen aan den Rijn sein. Nach zwei Tagen in Gouda sollte es weiter gehen.

Alphen
Alphen

Die Archtitektur in Alphen fanden wir beeindruckend. Vieles war  modern, pfiffig und wirkte auf den ersten Blick sehr angenehm. Wir sichteten aber auch viele ältere Villen, die super restauriert waren. Alles sieht sehr ordentlich und sauber aus.

Alphen City
Alphen City

Das Wetter war immer noch sehr schön, ca. 20 Grad und die Leute saßen draußen auf den Terrassen.

Eiscafé in Alphen
Eiscafé in Alphen

Wenig später saßen auch wir im Außenbereich des Café De Zaak und hatten einen tollen Eiskaffee 🙂

Baulücke - umgestürzter Kran
Baulücke – umgestürzter Kran

Vor einiger Zeit war ja ein Kran an dieser Stelle in Alphen auf ein Haus gestürzt. Jetzt ist dort eine Baulücke. Hier in Alphen geht unserer Bericht vorerst zu Ende. Wir suchten uns ein schönes Platzchen für Fiona zum festmachen. Zum Glück sollte es noch weitergehen. Wäre ja auch zu schade gewesen, wenn unser Bootsurlaub Zuid-Holland schon beendet sein sollte.

Bootsurlaub Zuid-Holland
Villa in Alphen

Das waren unsere ersten neun Tage. Wir freuen uns schon auf die nächste Etappe unseres „Bootsurlaub Zuid-Holland“!

 

Karten* für dieses Fahrgebiet:

ANWB Wateratlas M Limburgse Maas

ANWB Waterkaart L Grote Rivieren Oost

ANWB Waterkaart K Grote Rivieren Midden

ANWB Waterkaart I Vechtplassen

Literatur*:

Hausbooturlaub Niederlande: Der Süden von Ingrid Bardenheuer und Hans Zaglitsch (unsere Rezension dazu)

Holland 1: Zeeland und die südlichen Provinzen von Jan Werner (unsere Rezension dazu)

 

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