Friesland-Bootsurlaub Etappe 8: Bolsward

Bolsward sollte unser Tagesziel an diesem Tag unseres Friesland-Bootsurlaubs sein. Die Verbindung von Sneek nach Workum über die Bolswarder Zeijlvaart und Workumer Trekvaart ist eine landschaftlich sehr schöne, war in der Vergangenheit aber wegen der vielen Brücken eine auch kostspielige Route. Nachdem jetzt in Südwest-Friesland das Brückengeld abgeschafft wurde, mussten wir natürlich endlich einmal wieder diese Strecke nehmen und das schöne Bolsward besuchen.

Vom Marrekrite-Anleger im Johan-Frisokanaal ging es deswegen zunächst wieder Richtung Ijlst. Die ersten Kilometer sind recht unspektalukär, durch einen schnurgerade verlaufenden Kanal. Gelegentlich sieht man eine Fabrik am Ufer. Hinter Ijlst schlängelt sich dann die Bolswarder Zijlvaart ruhig durch die schöne friesische Landschaft: flaches Land mit weiter Sicht, Äckern, Bauernhöfen und gelegentlich ein paar Bäumen. Mit gemächlichen 9 km/h, der hier erlaubten Geschwindigkeit, lassen wir diese Landschaft an uns vorbeiziehen.

Die beschauliche Fahrt wird nur gelegentlich durch Brücken unterbrochen, die geöffnet werden müssen.  Gleich am Anfang gibt es eine Selbstbedienungsbrücke – vom Boot aus wird ein Schalter gedrückt, und kurz darauf dreht sich die Brücke zur Seite. Gelegentlich begegnen einem andere Hausboot-Urlauber, ansonsten ist man allein mit der Natur.

Friesische Landschaft
Friesische Landschaft

Zu beachten sind lediglich die Brückenöffnungszeiten: In Friesland machen die Brückenwärter in der Regel zwischen 12 und 13 Uhr und dann noch einmal zwischen 16:15 und 17:15 Uhr Pause.  Nicht immer ist direkt vor einer Brücke ein schöner Anleger, und so will die Strecke ein wenig geplant sein.

Stadtbummel in Bolsward

Nachdem wir auf dem Weg von Roermond nach Friesland in den ersten Tagen längere Strecken zurückgelegt hatten, steht jetzt, in Friesland angekommen, das Genießen der Landschaft und der hübschen Städtchen im Vordergrund. Deswegen vertäuen wir unser Boot, als wir Mittags in Bolsward ankommen, bereits gut und machen uns auf zu einem ersten Spaziergang.

Passantenhafen Bolsward
Passantenhafen Bolsward

Der Passantenhafen von Bolsward liegt in der Stadsgracht, in kurzer Laufdistanz zum Zentrum, und verfügt über Strom, Toiletten und Duschen, kostenlose Waschmaschine und Trockner sowie eine Möglichkeit, Wasser zu tanken. Die sanitären Einrichtungen sind nur mit einer Chipkarte zu betreten, so dass wir erst am frühen Abend nach dem Besuch des Hafenmeisters mit der „großen Wäsche“ anfangen können, die wir uns nach mittlerweile einer guten Woche Bootsurlaub für den Abend vorgenommen hatten. Aber auch die Umgebung des Passantenhafens ist sehr schön, so dass am Vorabend auch einem Drink auf Fionas Vordeck nichts im Wege stand.

Bolsward
Bolsward

Die Zeit bis dahin nutzen wir zu einem ausgedehnten Spaziergang. Das Renaissance-Rathaus von 1614 ist immer wieder einen längeren Blick wert.

Die Broerekerk in Bolsward
Die Broerekerk in Bolsward

Dieses Mal statteten wir aber auch der Broerekerk einen Besuch ab. Diese Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist seit 1980, nach einem Brand, eine Ruine. 2006 wurde diese Ruine mit Glas überdacht und so zu einem sehenswerten Monument.

Ein Besuch von Bolsward ist unvollständig, wenn man nicht den dort produzierten Kräuterlikör „Sonnema Berenburg“ probiert hat. Diesen recht herben Kräuterbitter genießt man am besten nach einem guten Essen, er soll sich allerdings auch ganz gut mixen lassen. Das werden wir beim nächsten Mal probieren!

Ein kurzer Besuch im Supermarkt stand noch an – ein wenig außerhalb des Zentrums, aber vom Passantenhafen leicht zu erreichen: Einfach an der Stadsgracht entlanglaufen, bis es nicht mehr geht, und dann liegen auf der rechten Seite mehrere Supermärkte. Danach ging es wieder zurück zu Fiona, wo wir kurz darauf eine kleine neugierige Besucherin bekamen, die sich offenbar bei uns recht wohl fühlte. Mit dieser kleinen Katze an Bord hatten wir uns sehr schnell angefreundet.

Katze an Bord
Katze an Bord

Die Strecke vom Marrekrite-Anleger bei Heek bis Bolsward betrug knappe 15 km.Die Übernachtung im Passantenhafen von Bolsward schlug mit ca. 12 € zu Buche. Duschen und Waschmaschine sind im Preis enthalten.

Als Unterlagen für diesen Tag hatten wir die ANWB Waterkaart B „Friesland“* und  den Wateralmanak 2: Nederland – Belgie (Vaargegevens)*.

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Friesland-Bootsurlaub Etappe 5: Ossenzijl-Princenhof

Von Ossenzijl zum Princenhof

Ossenzijl
Vor der Werft Vri Jon, Ossenzijl und neben der Abim Werft

Nach einem guten Frühstück mit Blick auf die Werft „Vri-Jon“, die in Ossenzijl beheimatet ist und luxuriöse Motoryachten und Hausboote baut, ging es weiter Richtung Friesland. Nach ein paar hundert Metern bogen wir Richtung Nordosten ab auf die Linde, einem wunderschönen kleinen Fluss, der hier die Grenze zwischen den Provinzen Overijssel und Friesland bildet.  Die Linde ist für uns aufgrund unserer Durchfahrtshöhe und unserem Tiefgang leider nur in diese eine Richtung befahrbar. Richtung Südwesten, über Kuinre könnte man mit einer Durchfahrtshöhe von maximal 2,60 m und einem Tiefgang von höchstens 1 Meter (wobei mit wechselndem Wasserstand gerechnet werden muss) unser Ziel auch erreichen.  Nach allem, was wir darüber gelesen haben, die attraktivere Strecke, für uns aber leider nicht machbar.

Driewegsluis
Driewegsluis

Nach wenigen Kilometern erreichen wir die Linthorst-Homansluis und damit endgültig Friesland. Diese Schleuse ersetzt die alte Driewegsluis, die einen kurzen Stopp mit kleinem Spaziergang wert ist. Als Selbstbedienungsschleuse soll sie für kleinere Boote noch immer in Betrieb sein, so früh im Jahr haben wir aber noch nie Boote in dieser Schleuse gesehen. Die alte Schleusenkammer mit drei Ein- bzw. Ausgängen bietet einen sehr schönen Anblick. An der Schleuse ist auch ein moderner Passantenhafen sowie ein Restaurant.

Die Scheenesluis

Scheenesluis
Scheenesluis

Da wir aber gerade erst losgefahren waren, ließen wir die Driewegsluis auf der Steuerbordseite liegen und fuhren die Jonkers of Helomavaart weiter Richtung Echtenerbrug.

Nach einer kurzen Strecke liegt an der Backbordseite die Scheenesluis, eine kleine Schleuse, die in das Naturgebiet „Rottige Meente“ führt, mit einem freien Anlegeplatz davor. Hinter der Scheenesluis beginnt eine recht unspektakuläre Strecke, unterbrochen nur von ein paar fernbedienten Brücken. Die Strecke verläuft über einige Kilometer schnurgerade, bis sie auf den Kuinder of Tjonger trifft. Richtung Steuerbord wäre von hier aus die Torfroute erreichbar. Diese Route ist aber erst ab Mitte Mai befahrbar, vorher sind die Schleusen noch nicht in Betrieb.

Tjeukemeer

Wir biegen Richtung Backbord ab, und nach kurzer Strecke geht es schon an Steuerbord in den Pier Christaansloot Richtung Echtenerbrug. Hier treffen wir auf die erste Brücke, an der Brückengeld verlangt wird. Als der „Klompen“ angeflogen kommt, wissen wir, dass wir in Friesland angekommen sind.

Tjeukemeer NL
Auf dem Tjeukemeer

 Weiter geht es durch das Tjeukemeer Richtung Norden. Hier im Tjeukemeer gibt es eine wunderschöne kleine Insel mit Marrekrite-Anlegern, aber da wir noch nicht so lange unterwegs sind, sparen wir uns diese Insel für die Rückfahrt auf. Im Tjeukemeer empfiehlt es sich, gut auf die Betonnung zu achten und die Wasserkarte im Blick zu behalten, da es hier einige Untiefen gibt.

Wir verlassen das Tjeukemeer Richtung Norden auf dem Skarster Rien und biegen in den Langwarder Wielen in der Betonnung Richtung Steuerbord ab, um der hübschen Stadt Joure einen Besuch abstatten.

Joure

Durch eine kleine offen stehende Schleuse geht es die Jouster Sylroede entlang, vorbei am Kaffeeröster Douwe Egberts fast bis ins Zentrum des Städtchens. Dort gibt es einen Jachthafen mit Tagesliegeplätzen, nur 5 Minuten Fußweg von der Fußgängerzone entfernt. An normalen Wochentagen bietet das Städtchen alle Versorgungsmöglichkeiten, Supermärkte, Bäcker und Geschäfte zum shoppen oder auch das gemütliche Douwe-Egberts-Lädchen, aber an diesem Ostermontag war natürlich alles geschlossen.

Joure
Anleger in Joure

Der Jachthafen beitzt ein hübsches Restaurant mit Biergarten in der ehemaligen Orangerie des Parks „Herema State“, der in unmittelbarer Nähe des Jachthafens liegt, und ein großes Waschhaus. Die Duschen sind allerdings über Mittag geschlossen und erst am späten Nachmittag wieder zugänglich. Duschen kostete 50 Cent, aber leider ließ sich die Dusche nicht überreden, Wasser hervorzubringen. Der Rest der sanitären Einrichtungen machte bei näherem Hinsehen auch einen eher schmuddeligen Eindruck – dieser Bootsurlaub stand bisher, was Duschen anbelangte, unter keinem guten Stern, und wir dachten sehnsüchtig an das hervorragende Waschhaus am Leukermeer zurück.

Im Princenhof

Princenhof Naturschutzgebiet
Das Naturschutzgebiet Princenhof in Friesland

So beschlossen wir, schnell weiterzufahren und über das Sneeker Meer und den Prinses Margriet-Kanal an Grouw vorbei den Nationalpark „De Alde Feanen“ und den Princenhof mit seiner wunderschönen Landschaft und hervorragenden Marrekrite-Anlegeplätzen zu erreichen. Die Marrekrite stellt in Friesland kostenlos eine Vielzahl von Anlegeplätzen in der freien Natur zur Verfügung. Strom, Wasser oder Toiletten gibt es hier natürlich nicht, aber an fast jedem Anleger ist in der Nähe ein Müllcontainer.
Die Plätze haben eindeutige Nummern, die angegeben werden können, falls ein Notfall vorliegt. Das diesjährige rote Marrekrite-Fähnchen, mit dem man die Marrekrite unterstützen kann, hatten wir uns vor unserem Urlaub schicken lassen und schon am Vortag am Bug gehisst. Hier an diesem wunderbaren Anleger ließen wir den Tag ausklingen und genossen die Ruhe und die schöne Natur um uns herum.

An Kartenmaterial haben wir an diesem Tag unsere Bootsurlaubes für die ersten paar Kilometer die ANWB Waterkaart C „Noord-West Overijssel* gebraucht, danach die ANWB Waterkaart B „Friesland“*. Dazu kam natürlich wie immer der Wateralmanak 2: Nederland – Belgie (Vaargegevens)*. Gute Dienste leistet uns in Friesland auch immer das Buch Friesland: Routen und Reviere zwischen Ems und IJsselmeer* von Manfred Fenzl mit schönen Routenvorschlägen, Bildern und nützlichen Informationen zu den schönsten Flecken in Friesland.

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