Landgewinnung in der Wallonie

Maas: Am 1. April 2018 dreht Belgien den Hahn ab

In der Wallonie gibt es für die Maas ab Namur stromaufwärts große Veränderungen. Die Wallonie will attraktiver werden und interessantere Freizeitmöglichkeiten anbieten. Hierdurch soll die Wallonie wirtschaftlich belebt werden. Schon seit längerer Zeit nimmt die Berufsschifffahrt auf der Maas stromaufwärts immer mehr ab. Die größer werdenden Schiffe der Berufsfahrt nehmen auf ihrem Weg in den Süden die Sambre. Niedrige Brückenhöhen auf der Maas und der größere Tiefgang moderner Fracht- und Tankschiffe lassen die Maas ungeeignet erscheinen. Da die Wallonie aus finanziellen Gründen keinen Kanal bauen möchte wie zuvor z.B. der Julianakanal in den Niederlanden, der ebenfalls parallel zur unschiffbaren Maas verläuft, wurde nach alternativen Möglichkeiten für die weitere Nutzung der Maas gesucht. Dabei stehen sowohl Tourismus als auch Umweltschutz im Vordergrund.

Um den Flusslauf der Maas touristisch zu erschließen, soll zweigleisig gefahren werden. Für eine erweiterte Wassersport-Nutzung soll sie im Bereich von Yvoir aufgestaut werden, so dass großzügige Strände entstehen können.

Maasstrand
Zukünftiges Strandleben am Maas-Stausee

Auf französischer  Seite wird der Canal de la Meuse weitergebaut, so dass es eine Verbindung zum Canal de la Sambre à l`Oise gibt, der das Wasser der Maas aufnehmen wird.

Das Flussbett nördlich des Stausees wird kein Wasser mehr führen. Es wird vollkommen umgestaltet. So sollen Teile davon mit Eichen aufgeforstet werden, damit sich die selten gewordene Bechsteinfledermaus ansiedeln kann. Die Aufforstungsgebiete sollen parkähnlich gestaltet werden und sowohl als Wandergebiet als auch als Weidegrund für frei laufende Rinder und Pferde dienen.

Bisher Flussbett, demnächst Heimat von Fledermäusen, Rindern und Wildpferden.

„Natürlich kann es dazu kommen, dass auf niederländischer Seite der Wasserstand der Mass aufgrund unserer Maßnahmen absinkt. Wir vertrauen aber darauf, dass die für die niederländischen Wasserstraßen zuständigen Behörden geeignete Maßnahmen ergreifen werden“, sagt Michel Foret, Minister für Raumordnung, Städtebau und Umwelt von Wallonien.

Mit den Arbeiten wurde bereits Ende September 2017 begonnen. Von überall kommen schon Gäste nach Yvoir, um sich auf das neue Strandleben einzustimmen, das im Sommer auf Hochtouren laufen soll. Das wallonische Fremdenverkehrsbüro hat insbesondere junge zahlungskräftige Kurzzeit-Urlauber im Sinn, die mal ein Wochenende ausspannen möchten.

Veröffentlicht am 1. April 2018

Ihr habt es bestimmt schnell gemerkt – dieser Artikel ist natürlich ein Aprilscherz. Die Fotos sind entstanden bei der  Maasabsenkung und -sperrung in Belgien, September 2017.

Maasabsenkung und -sperrung in Belgien

Wegen Maasabsenkung schließt Wallonie Teilstrecke der Maas

Ende September 2017 liegen wir in Namur/Belgien im malerischen Yachthafen Jambes. Ein wunderbares spätsommerliches Wetter mit viel blauem Himmel und sehr angenehmen Temperaturen verwöhnt uns seit zwei Wochen. Unsere ursprünglich geplante Tour weiter maasaufwärts können wir leider wegen der Maasabsenkung nicht durchführen.

Denn momentan endet bei Namur die Schifffahrt maasaufwärts. Die Maas ist laut der Schifffahrtsnachrichten momentan gesperrt, da vielerorts Arbeiten notwendig geworden sind.

Das Schifffahrtgebiet Maas in der Wallonie

Die Strecke zwischen Namur und Dinant gilt als einer der schönsten Abschnitte der Maas und das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Statt mit dem Boot sind wir deshalb von Namur aus auf dem ”Ravel de Meuse”, einem Radweg entlang der Maas, ca. 28 Kilometer nach Dinant stromaufwärts geradelt.

Maasabsenkung

Bereits hinter der gesperrten Schleuse Namur verläuft die Maas wesentlich flacher als üblich. Hier ist bereits ca. 1,5 Meter oder mehr weniger Tiefgang vorhanden. Deutlich sieht man, dass die Anleger zu hoch zum Anlegen einer Yacht hinausragen.
Mit jeder Schleuse wird die Maas flacher und kleiner. Das neu gewonnene Terrain wird von Spaziergängern erobert und die Bedeutung des Worts “Maaswanderung” erhält einen ganz neuen Sinn… Jugendliche untersuchen das beinahe freigelegte Flussbett der Maas und entdecken wahre Schätze wie z.B. versenkte Fahrräder, die wieder aus der Maas hinaus gefischt werden.
Maasstrand

An einigen Stellen haben sich Strände gebildet, die schnell erobert werden. Es gibt neue Auslaufzonen für die vierbeinigen Familienmitglieder. Interessierte Anwohner und Besucher bestaunen die neue Landschaft.

Auch Schulen sind aufgefordert, die Gelegenheit für Exkursionen ins Flussbett zu nutzen. Der Ort Godinne, auf halbem Weg zwischen Namur und Dinant, feiert die Absenkung sogar am 7. Oktober mit Animation, Informationsständen und einem Konzert im mit Kerzen beleuchteten Flussbett.

Leider hat sich auch ein leicht “moddriger” Geruch wegen des freigelegten Flussbetts über die ganze Landschaft gelegt, der etwas unangenehm ist. Die Maas fehlt, aber die Landschaft ist beiderseits der Ufer wunderschön. Wir können uns gut vorstellen, dass es ein Genuß ist die Strecke mit dem Boot zu fahren.
Je mehr wir uns Dinant nähern, desto untiefer wird die Maas. In der Schleuse vor Dinant ist kaum noch Wasser, so sehr hat man die Maas hier abgesenkt. Es werden Schleusentore herausgenommen und viele Bereiche in den Schleusen repariert. Wehre werden ausgebaggert.

Die Stadt Dinant

Bagger sind in der Maas auf Inseln im Einsatz. Die Kaimauern in Dinant wirken etwas “ausgefranst” unterhalb der regulären Wasserlinie.

Dinant Bauarbeiten
Dinant

Einige Städte an der Maas wie Dinant nutzen die Arbeiten, um sich selbst herauszuputzen. So wurde in Dinant bereits damit begonnen, eine Maaspromenade neu zu bauen.

Dinant

Für Schiffe werden Anlegestellen gebaut. Laut Bauschild in Dinant dauern die Arbeiten bis 2020. Man kann sich bereits vorstellen, dass hier ein schönes Gebiet für Motoryachten entsteht. Wir werden es dann gerne wieder besuchen.

Unterfütterung Maaspromenade
Dinant: Reparaturbedarf

Laut Schifffahrtsnachrichten bleibt die Maasabsenkung und somit die Sperrung bis Mitte Oktober 2017 bestehen. Danach ist die Maas wieder befahrbar.

Lüttich per Boot

Von Maastricht nach Lüttich

Einmal in Maastricht angekommen, sollte es Richtung Belgien weitergehen. Unser Neues Ziel heißt Lüttich, und so kommt jetzt wieder unsere belgische Wasserkarte, der Belgium Navigable Waterways Atlas* zum Einsatz, den wir schon während unserer Tour durch Flandern sehr zu schätzen gelernt hatten.

Stromabwärts von Maastricht ist die Maas ein paar Kilometer lang nicht schiffbar, deswegen müssen wir auf den Albertkanal ausweichen. Lüttich lässt sich auf zwei Wegen erreichen: Entweder direkt weiter über den Albertkanal oder ab Vise wieder über die Maas. Da wir frühzeitig in Lüttich ankommen wollen, wählen wir den Weg direkt über den Albertkanal und sparen uns dadurch zwei Schleusenvorgänge. Die Maas heben wir uns für den Rückweg auf, wobei wir planen, eine Nacht in Visé zu verbringen.

Als erstes gilt es, von Maastricht auf den Albertkanal zu schleusen. Bei der Schleuse Lanaye mussten wir während der Umbauarbeiten schleusen. Es handelt sich um eine von der Berufsschifffahrt stark frequentierte Schleuse. So waren wir das einzige Sportboot, das mit den großen geschleust wurde. Der Hub beträgt 14 Meter, die Schleuse ist 190 Meter lang.

Zu Berg angekommen, fällt zunächst die spektakuläre Landschaft des Maastrichter Mergelgebietes ins Auge – Tuffsteinhügel, mit vielen Höhlen im porösen Gestein, die steil vom Albertkanal aufragen. Diese schöne Landschaft hat aber recht bald ein Ende, und danach befährt man eine überwiegend wenig schöne Strecke nach Lüttich. Viel Industrie, grau in grau und man ist froh, wenn man diese Strecke endlich zurückgelegt hat. Wenig überraschenderweise ist hier keine bis kaum Freizeitschifffahrt vorzufinden, auch keine Anlegestellen für Sportboote.

Lüttich
Lüttich

Irgendwann fährt man am Denkmal an der überlebensgroßen Statue von König Albert vorbei, welches den Beginn des Albertkanals und damit seine Abzweigung von der Maas kennzeichnet. Von jetzt an beginnt Lüttich. Lüttich präsentiert sich von der Architektur her zunächst im Stil der Plattenbauten und wechselt zum Altbau ins frühe und mittlere 20. Jahrhundert. Wo es machbar ist, auch gerne Graffitis.

Marina Lüttich
Port des Yachts, Lüttich

Hafen Port des Yachts Liege

Man befährt jetzt wieder die Maas, die hier inzwischen „La Meuse“ heißt, passiert mehrere Brücken in Lüttich und wir sehen die Einfahrt unseres Hafens, der sich mitten in Lüttich befindet. Der Hafen “Port des Yachts” ist wie ein langer Schlauch aufgebaut. Gästeplätze, an denen zur Stadt hin längsseits festgemacht wird, befinden sich von der Einfahrt des Hafens bis fast ins erste Drittel. Zur Flusseite befinden sich Dauerlieger. Mittels einer Landzunge haben die Eigner somit direkt Zugang zu ihren Booten.

Restaurant am Hafen
La Capitainerie, das Restaurant. Der Hafenmeister-Crew hat ihr Büro links im Erdgeschoss

Der Hafen liegt ein paar Meter unter der Stadtoberfläche und ist damit recht gut vor Wind geschützt. Wellen bergauf schnellfahrender Berufsschiffe merkte man an unserem Liegeplatz ein wenig, da sie quasi in den Hafen hineinrollen. Fiona befand sich etwa auf halber Strecke des Gästesteigers.

Shopping Liege
Fußgängerzone Lüttich

Der Hafenmeister hat seinen Schreibtisch im Büro des Fremdenverkehrsvereins, des VVV, in einem modernen Gebäude am Kopf des Hafens, der Capitanerie. Hier ist auch das Waschgebäude untergebracht. Einen Zugang vergibt der Hafenmeister gegen Bezahlung. Der größte Komplex der Capitanerie wird von einem Restaurant genutzt, das wir leider nur als „Fermez“ (geschlossen) in Erinnerung haben.

Da wir während eines Urlaubstages des Hafenmeisters ankamen, blieb uns der einzige Zu- und Ausgang des Hafens, eine Tür mit elektrischem Zahlenschloss geschlossen. Ein freundlicher Nachbar teilte uns den Code mit, so dass wir erleichtert einen Gang in die Stadt machen konnten.

Bereits hier war unübersehbar, dass in Lüttich die offizielle Sprache Französisch ist. Deutsche Crews haben wir während unseres Aufenthalts nicht angetroffen. Mit englisch- oder deutschsprechenden Leuten sind wir während unseres Besuchs überhaupt nicht in Kontakt gekommen. Also hieß es: Mobilisieren aller verfügbaren Franözösisch-Vokabeln.

Die Stadt Lüttich

Ein paar Meter oberhalb des Hafens zeigt sich die City von Lüttich als sehr lebhafte, teils hyperventilierende Stadt. Sie wird vom übermächtigen Autoverkehr auf zu großen mehrspurigen und auch auf zu kleinen Straßen umrissen, die durch die Stadt verlaufen und die oftmals eines gemeinsam haben: Der Verkehr fließt sehr zäh, ist laut und die Luft hat einen sehr hohen Anteil an Abgasen. Das Verkehrskonzept schien uns veraltet und stark verbesserungsbedürftig. Selbst inmitten der Fußgängerzone gibt es winzige Straßen, die gar nichts bringen und stets hoffnungslos zugestaut sind.

Lüttich
Lüttich zu Fuß kann anstrengend sein 😉

Modernes bietet Lüttich mit einigen Einkaufszentren, Prachtvolles mit restaurierten mittelalterlichen Gebäuden, die heute teils in städtischer oder unter kommunaler Nutzung stehen. Außerdem gibt es luxuriöse Büropaläste mit edelsten Materialien für prestigeträchtige Firmen. Leider waren für unseren Geschmack zu viele Gebäude verfallen und stark renovierungsbedürftig. Ein durchweg schönes Zentrum, wie wir es während unserer Bootstour durch Flandern vielfach gesehen hatten, sucht man in Lüttich vergebens.

Aufgefallen sind uns die vielen Schulen, die auch in unmittelbarer Nähe zur Fußgängerzone überall sind. Positiv insofern, dass hier anscheinend keine Verdrängung stattgefunden hat. Dennoch waren wir erstaunt , dass derart viele Schulen auf so engem Raum existieren.

Einkaufen

Nachts zeigt sich Lüttich bunt und lebhaft dank seiner szenigen Kneipenlandschaft. Wir beendeten unseren ersten Abend kurz nach Mitternacht und gehen am nächsten Morgen nach dem Anmelden beim Hafenmeister in die Stadt, um ein wenig Proviant zu bunkern. Einen Aldi fanden wir etwa 0,5 km entfernt vom Hafen, in der Rue des Guillemin, der typisch flämische Lebensmittel anbietet. Wie überall in Belgien zeigt sich auch in Lüttich der französische Einfluss in einer sehr guten Auswahl an hochwertigen Lebensmitteln. Als Tipp wären die Quiches und die Tomatensuppe genannt – serviert mit einem Löffel Schmand, lecker! Auch der Wein, der angeboten wird, ist durchaus gut. Einen gut sortierten Carrefour gibt es in der Fußgängerzone gegenüber dem Palais des Princes-Eveques in der Geschäftsgalerie Saint-Lambert, gelegen auf dem gleichnamigen Platz.

Das Preisniveau für Lebensmittel und Getränke ist höher als in Deutschland. Beispielsweise lassen sich hier niedrig preisige Weine nicht verkaufen, entsprechend ist das Angebot aufgebaut.

Hafen Lüttich
Ports des Yachts

Am späten Abend ist es im Hafen am schönsten: Die Dunkelheit verdeckt die renovierungsbedürftige Bausubstanz, und Häuser und Brücken sind bunt beleuchtet. Mit einer leckeren Quiche und einem Glas guten Rotwein lässt sich die Aussicht auf die nächtliche Stadt wunderbar genießen.

Liege
Bahnhof Liege

Vom übermäßigen Autoverkehr und verfallenenen Gebäuden sollte man sich also nicht die Lust auf Lüttich verderben lassen – es gibt dennoch Highlights zu entdecken. Der Hauptbahnhof ist eines davon und beeindruckt durch seine extravagante Bauweise.

Gleis 4

Auch der Ausblick vom Bahnhof ist gelungen.

Lüttich
Blick vom Bahnhof