Hinter einem Fahrgastschiff durch Berlin

Bootstörn Ostdeutschland: Müritz-Berlin und zurück

Mit Trailer und Boot nach Ostdeutschland

Da Fiona mittlerweile einen eigenen Trailer hat, stand dieses Mal ein ganz neues Bootsrevier auf unserem Urlaubsplan. Der Bootsurlaub sollte uns nach Ostdeutschland führen – genauer gesagt durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis nach Berlin und wieder zurück.

 

Die mecklenburgischen Großseen und die Kleinseenplatte

Bootsurlaub Mecklenburgische SeenplatteDie mecklenburgische Seenplatte mit ihren großen Seen ist das bekannteste und größte Bootsrevier in Deutschland. Der größte See der mecklenburgischen Seenplatte ist die Müritz. Sie erstreckt sich über ca. 20 km von Nord nach Süd und erreicht dabei in Ost-West-Richtung eine Breite von ca. 13 km. Nach dem Bodensee ist sie damit der zweitgrößte See Deutschlands. Nach Westen schließen sich mit dem Kölpinsee, dem Fleesensee und dem Plauer See weitere große Seen an, die alle mit dem Hausboot befahrbar sind. Die Region ist über die Autobahnen A19 und A20 sehr gut angebunden, und für Bootsfahrer steht eine große Auswahl an Häfen zur Verfügung.

An die Großseen schließt sich nach Süden und Südosten hin bis nach Brandenburg hinein die Kleinseenplatte an. Diese ist ein zusammenhängendes Gebiet unzähliger kleiner Seen, die durch natürliche oder künstliche Kanäle miteinander verbunden sind. Viele davon sind auch mit dem Hausboot zu befahren. Auch hier gibt es viele Häfen für Bootsurlauber. Die Region ist die Heimat vieler Vercharterer von Hausbooten. Ein großer Teil des Gebietes darf ohne Sportbootführerschein befahren werden. Voraussetzung ist lediglich eine Charterbescheinigung nach einer theoretischen und praktischen Einweisung durch den Vercharterer.

Der Start

Dieses interessante Ziel wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir hatten uns zum Slippen des Bootes die Anlage der Bootshalle Malchow ausgesucht: Auf dem Hafengelände, besser gesagt; direkt neben dem Campinggelände konnten wir das Auto und den Trailer während des Urlaubs stehen lassen. Das Gespann wurde quasi durch die anderen Campinggäste bewacht. Hier standen mehrere Gespanne, die die Bootshalle Malchow ebenfalls als Ausgangspunkt gewählt hatten. Die Bootshalle Malchow besitzt ein paar Stege und verfügt so quasi über einen kleinen Hafen.

Malchow liegt inmitten der Großseen. Vom Malchowsee ging es Richtung Osten. Wir fuhren zunächst über den Fleesensee und den Kölpinsee nach Waren an der Müritz. Von dort am nächsten Tag bei ruhigem Wetter quer über die Müritz bis nach Rechlin.

Ostdeutschland
Auf dem Fleesensee
Zwischen zwei Seen
Ostdeutschland
Hafen Waren

In Ostdeutschland gibt es eine ganz besondere und pragmatische Art, Gewässer zu gruppieren: Einfach indem zum Beispiel benannt wird, was durch den Wasserweg miteinander verbunden wird, oder wie die geographische Lage ist. So ist der Wasserweg durch die Großseen einfach ein Teil der „Müritz-Elde-Wasserstraße“, weil über die zugehörigen Gewässer die Müritz mit der Elde verbunden ist. Dass diese Art der Bezeichnung durchaus Sinn macht, stellt man schnell fest, wenn man einen Blick auf die Wasserkarte mit unzähligen verschiedenen Gewässern wirft. Diese einfache Art der Bezeichnung macht das Revier viel übersichtlicher und man kann schnell und unkompliziert nachschauen, welche Regelung in dem betreffenden Gebiet gilt.

Verlässt man die Müritz in südlicher Richtung, kommt man auf die Müritz-Havel-Wasserstraße und ist nach einer kurzen Strecke schon inmitten der Kleinseenplatte. Überall sieht man Boote vor Anker liegen. Die Müritz-Havel-Wasserstraße leitet einen durch viele Seen und Kanäle. Es geht durch die Schleusen Mirow, Diemitz, Canow und Strasen bis nach Priepert. Hier endet die Müritz-Havel-Wasserstraße und sie trifft auf die Obere Havel-Wasserstraße. Da die Schleusen recht alt und sehr klein sind, ist immer mit einiger Wartezeit zu rechnen.

Von Priepert machten wir erst einmal einen Abstecher gen Norden nach Neustrelitz. Auf dem Rückweg mussten wir natürlich eine Rast beim bekannten Fischer von Ahrensberg machen. Bei ihm konnten wir seine Spezialitäten aus frischem Fisch probieren mit Blick auf die bekannte Hausbrücke in Ahrensberg.

Die Havel in Brandenburg

Zurück in Priepert, ging es in südöstlicher Richtung auf der Oberen Havel-Wasserstraße über die Landesgrenze nach Brandenburg. Die kleinen Seen werden allmählich weniger, und man fährt jetzt auf der Havel, die sich durch die Uckermark schlängelt. In regelmäßigen Abständen gibt es Schleusen, die zum größten Teil Selbstbedienungsschleusen sind. Mit Übernachtungs-Stopps in Fürstenberg und Zehdenick erreichten wir Liebenwalde, wo die Obere Havel-Wasserstraße endet und wir die Abzweigung zur Havel-Oder-Wasserstraße Richtung Berlin nahmen. Hier endet auch der Bereich, der mit einer Charterbescheinigung befahren werden darf.

Auf der Havel durch die Uckermark

Und ab hier haben wir es auch mit Berufsschiffahrt zu tun. Die nächste Schleuse, Schleuse Lehnitz, bietet uns in puncto Größe und Betrieb wieder Verhältnisse, die wir von unserem Heimatrevier, der Maas gewohnt sind.

Berlin, Berlin, wir fahren durch Berlin!

Nach einer Übernachtung im Schlosshafen von Oranienburg ging es am nächsten Morgen früh weiter über die Havel-Oder-Wasserstraße und den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal Richtung Spree. Für ein spätes Frühstück machen wir an einer freien Anlegestelle in der Nähe vom Schloss Charlottenburg fest. Unseren unsprünglichen Plan, Fiona an dieser Stelle für den Tag liegenzulassen und Berlin zu erkunden, lassen wir fallen, nachdem ein paar Fahrgastschiffe und andere Boote an uns vorbeigefahren sind und für reichlich Schwell und Wellen gesorgt haben. Für liegende Fahrgastschiffe wahrscheinlich kein Problem, aber Fiona ist hier entsprechend temperamentvoller 😉

Deswegen geht es nach dem Frühstück direkt weiter. Wir haben für die kommende Weiterfahrt alles, was man braucht: Den Sportbootführerschein, ein Funksprechzeugnis und ein angemeldetes Funkgerät an Bord.  Wegen dem Funk dürfen wir die Spree durch das Zentrum von Berlin auch tagsüber befahren. Auf diesen Abschnitt haben wir uns im Vorfeld natürlich besonders gefreut und auch einiges darüber gelesen. Einen Tipp hatten wir uns besonders gemerkt: Man sollte sich bei einem vorausfahrenden Fahrgastschiff per Funk melden und darum bitten, bei den Brücken mit angemeldet zu werden. „Unser“ Fahrgastschiff war dann Adele, und ihre Besatzung hat uns sehr nett mitgenommen.

Durch Berlin mit dem Boot nur mit Sprechfunk
Durch Berlin mit dem Boot tagsüber nur mit Sprechfunk
Das Kanzleramt in Berlin vom Wasser aus
Das Kanzleramt in Berlin vom Wasser aus
Hinter einem Fahrgastschiff durch Berlin
Hinter einem Fahrgastschiff durch Berlin

Dieser Streckenabschnitt war ein absolutes Highlight unseres Bootsurlaubs in Ostdeutschland! Um für einen Tag Berlin zu erkunden, haben wir Fiona dann in einem Hafen auf der Halbinsel Stralau liegenlassen. Sehr gut gefallen hat uns das Ankern im Rummelsburger See, auch ganz in der Nähe von Stralau. Von hier hatten wir einen wunderschönen Nachtblick auf die Silhouette des Alex. An Köpenick vorbei, wo wir dem Hauptmann kurz „guten Tag“ gesagt haben, ging es über den Teltowkanal Richtung Babelsberg und schließlich nach Potsdam. Das sollte der südlichste Punkt unsere Reise durch Ostdeutschland sein, und ab hier geht es über die Havel wieder nach Norden, mit einem kleinen Abstecher in den Wannsee. Eine Übernachtung hatten wir bei Babelsberg, direkt in Nähe der prachtvollen Villen am Griebnitzsee.

Ankerplatz im Rummelsburger See
Ankerplatz im Rummelsburger See

Wieder zurück Richtung Mecklenburg-Vorpommern

Einen Tag danach suchten wir uns einen schönen Ankerplatz im Lehnitzsee, kurz vor der Schleuse Lehnitz. Von dort haben wir das Geschehen an der Schleuse gut im Blick, und wir nahmen uns vor, morgens einfach den Schleusenfunk abzuhören und zu einem geeigneten Zeitpunkt den Anker einzuholen. Vorher machten wir aber noch kurz in einem Hafen fest und statteten der Gedenkstätte Sachsenhausen einen Besuch ab. Nach einer Stunde hatten wir mehr als genug gesehen und gingen ziemlich wortkarg und mit einem recht flauen Gefühl im Magen wieder zum Boot zurück. Das Ankern lenkte uns zum Glück wieder etwas ab, und wir beschlossen den Abend froh, in der heutigen Zeit zu leben.

Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen in Oranienburg
Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen in Oranienburg

Rheinsberg

Der Rückweg hat aber noch mit einem weiteren Höhepunkt aufzuwarten. Auf dem Hinweg in der Kleinseenplatte, hatten wir uns den Abstecher in die Rheinsberger Gewässer für den Rückweg aufgespart.

Rheinsberg liegt genaugenommen nicht am Rheinsberger See, sondern am Grienerick-See.  Der Grienerick-See ist auch mit Booten befahrbar und man darf dort auch ankern. Zusammen mit nur noch einem weiteren Boot hatten wir einen wunderschönen Ankerplatz mit Blick auf das Rheinsberger Schloss. Und da an dem Abend auch noch eine Open-Air-Aufführung der Oper Tosca  von Puccini stattfand, konnten wir unseren abendlichen Drink ganz exquisit genießen.

Bootstörn Ostdeutschland: Ankern vor dem Schloss Rheinsberg
Ankern vor dem Schloss Rheinsberg

Da wir das Schloss aber gerne näher ansehen wollten, ging es am nächsten Morgen in das Hafendorf Rheinsberg. Das Hafendorf Rheinsberg ist ein Ferienpark mit einem Hafen, einem Hotel und vielen Ferienhäusern, die über eigene Bootsanleger verfügen. Ein echter Hingucker ist der Leuchtturm, der an der Hafeneinfahrt steht und als Aussichtsturm über die Rheinsberger Gewässer dient.

Leuchtturm im Hafendorf Rheinsberg
Leuchtturm im Hafendorf Rheinsberg

Erwähnenswert scheint uns noch der Stopp in der Marina Wolfsbruch. Es handelt sich um ein etwas älteres Hafendorf mit Hotel, Restaurants, Lokalen und Häusern/ Ferienhäusern.
Durch die Kleinseenplatte und über die Müritz ging es abschließend wieder Richtung Malchow, wo unser Trailer auf seine Fiona wartete.

Ein paar Daten zu der gesamten Tour

Insgesamt sind wir mit dem Boot in 68 Motorstunden 660 km gefahren. Mit dem Fahrrad waren es immerhin 155 km. Hinzu kommen die Schleusungen einschließlich der Wartezeiten: 24 Stunden.

Dieselverbrauch von Fiona: 250 Liter, Verbrauch je Stunde: 3,7 Liter, der Verbrauch je km: 0,38 Liter und die Durchschnittsgeschwindigkeit: 9,7 km/h.
Rechnet man die Schleusenzeiten mit, ergibt sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,2 km/h. Schnellfahrstrecken gab es auf den großen Seen und wurden auch genutzt.

Dieser Bootsurlaub in Ostdeutschland war sehr facettenreich, neben etwas maritimem Trubel gab es viel ruhige Natur, aber auch Großstadtleben, sehenswerte Architektur, Kultur und auch ein wenig Wellness.
Die einzelnen Etappen, die Besonderheiten der Regionen und Gewässer, Häfen und Liegeplätze werden wir in unseren nächsten Beiträgen detaillierter beschreiben.

Regelungen zu den Gewässern kann man auf der Website des Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservice (ELWIS) finden, sowie in der Broschüre Wassersport auf Bundeswasserstraßen zwischen Elbe und Oder (extern). Als Kartenmaterial haben wir die Karten Berlin – Müritz – Dömitz / Mit Schweriner See: Deutsche Binnenwasserstraßen 3 sowie Deutsche Binnenwasserstraßen 04. Von der Elbe zur Oder. Mit Potsdamer und Berliner Gewässern verwendet.

 Zur Vorbereitung haben wir das Buch „Von Berlin zur Müritz – Mit Mecklenburger Kleinseenplatte“ von Bodo Müller gelesen (und hier auch rezensiert). Vor Ort haben wir den „Hafenführer für Hausboote – Müritz | Havel | Seenplatte“ von Robert Tremmel & Christin Drühl zu schätzen gelernt. Von den beiden gibt es auch den „Hafenführer für Hausboote: Berlin & Brandenburg“.


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