De Rosslag wird zu Roermond City Marina

Ein neuer Hafen entsteht – Roermond City Marina

Nach einem Umbau ab Herbst 2016 firmiert der Hafen De Rosslag unter Roermond City Marina. Der Hafen vergrößert sich. Die Stege werden nach und nach erneuert und werden zu Einzelliegeplätzen mit zwei Seitenstegen.

Baulich hat sich hier einiges getan. Es wurde vor den Stegen Erde angefüllt, so dass der Hochwasserschutz besser geleistet wird. Auf der Anfüllung wurde eine Saat ausgebracht, so dass nach und nach alles begrünt wird. Momentan sieht es noch grau aus. Es mangelt derzeit an Regen und und vor allem an warmem Wetter für das Wachstum des „grünen Gürtels“. Durch eine Erweiterung des Hafenbeckens wanderte der Hafen etwas Richtung Roermond und verändert seine Form und Lage etwas. Nun ist man fast auf Tuchfühlung zum Nachbarn Krekelberg/ Schepenkring.

Optimale Lage des neuen Parkplatzes

Die Parkplätze sind jetzt direkt vor den Stegbrücken. Die Länge des Parkplatzes ist riesig. Wir haben schon gewitzelt, dass die Hafenbetreiber notfalls auch einen Privatflugplatz betreiben könnten; die Start- und Landebahn wäre ja schon dort 😉

Die Parkplatzkapazität beträgt über 500 Parkplätze und hat sich somit mehr als verdoppelt. Sogar zwei 400 Volt Ladesäulen für E-Autos gibt es.

Der alte Parkplatz existiert nicht mehr. Weggefallen sind auch die Bezahlparkplätze vor der damaligen Campingwiese und neben der ehemaligen Sliprampe.

Die Einfahrt zum Hafen liegt nun in der Straße „Rosslag“, etwa 350 Meter entfernt von der alten Einfahrt Schoolstraat.

WohnmobilstellplätzeStellplätze für Wohnmobile

Für Urlauber mit Wohnmobilen der Roermond City Marina gibt es separate Stellflächen. Der Campingplatz mit seinen Dauercampern und der Campingwiese ist weggefallen. Die beiden Communities Bootsfahrer und Camper haben sich zwar selten richtig vermischt, aber Flair brachte der Campingplatz.

Das Restaurant Lounge 44 zieht unter neuem Namen „Mr. Sammi 44“ um, das alte Gebäude wird für das geplante Neubauvorhaben weichen: Auf einem Teil des ehemaligen Campinggeländes, auf dem alten Parkplatz und Restaurantgelände entstehen nun Wohnhäuser der gehobenen Klasse.

Roermond City MarinaDas Sanitärgebäude mit den Duschen, Toiletten und Waschmaschinen/ Trocknern ist nach einer Renovierung umgezogen zur anderen Seite des Hafens und liegt direkt neben dem Büro des Hafenmeisters. In der nächsten Zeit ist ein Neubau geplant.

Die Mieter der hinteren Stege am Ende des Sees werden sich über die kürzeren Wege zum Sanitärgebäude freuen.
Die vorderen (A-,B-, C-, D-) Stegplatzhalter müssen es entsprechend sportlicher angehen.

Änderungen

Stegbrücke City Marina RoermondSchade für die Trailerbootbesitzer der Roermond City Marina: Die Sliprampe ist entfallen und so wie wir gehört haben, ist auch keine neue geplant. Von nun an muss in einem anderen Hafen eine Rampe benutzt werden. Auch die vielen, größeren Dinghies und Wassermotorräder auf eigenen Trailern und sonstige Wasser-Toys müssen ab sofort woanders zu Wasser gebracht werden. Besitzer kleinerer Trailerboote können im benachbarten Hafen bei Snellens ihr Boot ins Wasser schubsen. Eine Kranung ist möglich, aber leider nur für kleine, leichte Boote. Trailerboote mit einem Eigen-Leergewicht von 3 t müssen auf jeden Fall woanders hingefahren werden, bei Snellens klappt das nicht.

Fahrradverleih.
Der bis einschließlich 2016 kostenfrei geführte Fahrradverleih der Hafenbetreiber ist (noch?) nicht zurückgekehrt in die Roermond City Marina.
Auch nicht ein Abstellplatz für die eigenen Fahrräder zum Anketten. Vielleicht gibt es noch eine Möglichkeit, so dass man sie irgendwo sichern kann – hoffentlich nicht am Bauzaun oder an den neuen Stegbrücken 😉
Bis 2016 gab es zudem vor dem Waschhaus eine Stange zum Sichern der Fahrräder. Vielleicht taucht diese wieder auf.

Gepäcktransport.

StegabschlussDie Transportwagen, die man für die Gepäckbeförderung vom Auto zum Boot benutzte, sind seit der Saison 2017 nicht mehr vorhanden. Vermutlich funktioniert der Transport mit den schweren Wagen nicht auf den steilen Stegbrücken. Diese wären bei voller Beladung bei einem Gang der Brücke hinunter kaum zu halten. Die meisten Schiffeigner wissen sich zu helfen und setzen eigene Transportmittel ein.

Eine bauliche Änderung wird es – wie wir gehört haben – noch an den Brücken zu den Stegen geben. Hier ist der Übergang mit einem Blech von den Brücken zu den Stegen sehr steil geraten. Für ältere oder behinderte Personen nicht geeignet. Aber auch für alle anderen könnte es leicht zu einem Sturz führen, nicht nur bei Nässe oder Glätte. Im Mai wurde das Problem behoben. Eine deutliche Verbesserung wurde durch Anbringung größerer Übergangsstücke erzielt.

Stegerneuerungen

Die Stege der Roermond City Marina werden nach und nach erneuert. Einige neue Stege sind bereits gekommen. Zwischen jedem Nachbarboot befindet sich dann ein Quersteg. Man hat somit einen Einzelplatz.
Die Abstände der Stege untereinander hat sich etwas vergrößert. Die Stege waren bereits früher komfortabel weit auseinander. Das Anfahren auf die Liegeplätze ist recht übersichtlich und einfach.

Es ist geplant, ein kostenfreies WLan-Netz für den Hafen zur Verfügung zu stellen. Es müssen aber erst noch Sendemäste aufgebaut werden, damit eine Flächenabdeckung für den kompletten Hafen besteht.

Keine Änderungen:

Einige „alte“ Vorteile sind natürlich geblieben, die auf die Lage zurückzuführen sind. Im Hafen ist es sehr ruhig. Es stört keine vielbefahrene Straße, die Lage ist sehr schön. Bis nach Roermond ist es nicht weit und man ist schnell mit dem Fahrrad oder zu Fuß dort.
Mal eben aus dem Hafen und im charmanten Dorf Herten einkaufen ist kein Problem. Ein Supermarkt ist mitten im Dorfzentrum. Erwähnenswert ist auch ein genialer Eisenwarenladen/ Heimwerkermarkt in Herten, Schoolstrat,  der quasi gleich nebenan der Marina liegt. Ob Werkzeug und -zubehör oder E-Kleinteile, hier bekommt man fast alles für Arbeiten am Boot und für das Heimwerke (Marcels Karweishop, Schoolstraat 27, Herten).

Einzelnes GrünGrün wird es sicherlich werden, in der Roermond City Marina. Einzelne zarte Pflänzchen sind bereits zu sehen. Neben der neuen Promenade wird noch ein (waagerechter) Grünstreifen eintstehen. Auch Bäume sollen noch gepflanzt werden. Vermutlich wird sich die Botanik im Hafen bis Ende Juni weiterentwickelt haben. Vielleicht sieht momentan alles noch ein wenig grau aus, aber wenn alles soweit ist, wird der Hafen sicherlich nochmals gewinnen.

UPDATE:
Mai 2017: Inzwischen ist es schon viel grüner geworden. Die Gräser konnten im warmen Mai gut wachsen.
Juni 2017: WLAN funktioniert. Das Einfahrtor funktioniert mit Karte.
Die Hafenfahrräder zum Verleihen wurden wieder gesichtet, es wurden einige Fahrradständer aufgestellt.
Juli 2017: Die Stege werden nach und nach mit abschließbaren Türen ausgestattet. Auf dem Youtubekanal des Betreibers werden Bilder der Stege gezeigt und aktualisiert.

August 2017: Fahrradständer wurden mittlerweiler verbreitet aufgebaut. Einige erhalten ein Dach. Die bereits geänderten Übergangstrittbretter der Stegbrücken werden nochmals geändert, um die Rutschgefahr bei Feuchtigkeit/Nässe zu vermindern.

Homepage des Betreibers: Klick
Facebookseite: Klick

Törnliteratur: Von Berlin zur Müritz von Bodo Müller

Die Mecklenburgische Seenplatte ist Europas größtes Binnenrevier mit über 1.000 Seen, die über kleine Flüsse und Kanäle miteinander verbunden sind. Viele davon sind mit einem Hausboot zu erreichen. Über die Havel ist die Mecklenburgische Seenplatte auch an die Gewässer Berlins angebunden. Reichlich gute Gründe also, dieses interessante Bootsrevier zu erkunden.

Von Berlin zur Müritz von Bodo MüllerVorbereitung auf den Bootsurlaub

Zur Vorbereitung und Hilfestellung während des Urlaubs diente uns das Buch „Von Berlin zur Müritz – Mit Mecklenburger Kleinseenplatte“ von Bodo Müller, erschienen in der Edition Maritim im Delius Klasing Verlag. Wir rezensieren hier die 6. Auflage von 2016.

Das Titelmotiv, das den schönen Leuchtturm des Hafendorfs Rheinsberg zeigt, versetzt schon direkt in Urlaubsstimmung. Das Buch beginnt mit einer allgemeinen Einführung in das Revier, wie die Namen der wichtigsten Wasserstraßen, wichtige Informationen über maximalen Tiefgang, Durchfahrtshöhen und Schleusen, Tankmöglichkeiten sowie die wichtigsten Verkehrsvorschriften. Es wird auch darauf eingegangen, welche Gewässer mit einem Charterschein befahren werden dürfen und für welche Gewässer ein Sportbootführerschein notwendig ist. Und auch der Hinweis auf das Wasserkartenmaterial des Revieres fehlt nicht.

Nach der Einführung werden die Wasserstraßen und Gewässer des Reviers im einzelnen beschrieben: Die Havel-Oder-Wasserstraße (HOW) mit Oranienburg, die Ruppiner Gewässer, der Rhin zwischen Neuruppin und Lindow, die Obere Havel-Wasserstraße (OHW), die Wentow-, Templiner und Lychener Gewässer, die Müritz-Havel-Wasserstraße, die Rheinsberger und Zechliner Gewässer, der Vilzsee und Schwarze See mit Moriw und letztendlich die Müritz, die mit einer Fläche von 117 km2 der größte See Deutschlands ist.

Jedes dieser Gewässer wird mit einem kurzen Text zur Geschichte vorgestellt. Fahrhinweise geben Auskunft darüber, wie man die Gewässer erreicht, und wichtige Details wie die Länge des Wasserweges, Schleusen, Durchfahrtshöhen, Tiefgang und Höchstgeschwindigkeiten. Dazu gibt es detaillierte Kartenausschnitte, die auch Informationen über Marinas und Liegestellen sowie Service- und Versorgungsmöglichkeiten enthalten. Abgerundet werden die Kapitel mit Ausflugstipps. Im ganzen Buch finden sich viele schöne Fotos, die schon einen sehr guten Eindruck des Revieres vermitteln.

Quintessenz

Unser Fazit: Dieses Buch ist sehr gut geeignet, einen Überblick über das Revier zwischen der Mecklenburgischen Seenplatte und Berlin zu bekommen und einen Bootsurlaub zu planen. Das notwendige Kartenmaterial für die Navigation soll und kann es natürlich nicht ersetzen. Alle wichtigen Regelungen sind in dem Buch zu finden.

Da es neben den knappen Informationen auf den Detailkarten keine weiteren detaillierten Informationen über die Häfen und Liegemöglichkeiten gab, hatten wir während des Urlaubs ergänzend das Buch „Hafenführer für Hausboote – Müritz | Havel | Seenplatte“ von Robert Tremmel & Christin Drühl an Bord. Dieses Buch ergänzt das Buch von Bodo Müller ganz hervorragend.

Bootsurlaub Zuid-Holland

Von Limburg über Brabant an den Oude Rijn: Bootsurlaub Zuid-Holland

Dieses Jahr planten wir unsere erste Fahrt sehr früh. In der vierten Märzwoche machten wir uns auf den Weg zu unserem „Bootsurlaub Zuid-Holland“. Der erste Zwischenstopp war in Venlo.

Stadthafen Venlo
Stadthafen Venlo

Hier in Venlo ist immer die Gelegenheit, das einzukaufen, was man vorher vergessen hat an Bord zu nehmen. Es war noch recht frisch, das Thermometer zeigte tagsüber 12 Grad und es war stürmisch mit Windstärken bis 7 Beaufort, aber es gab auch immer wieder sonnige Abschnitte. In der Nacht sanken die Temperaturen bis auf 6 Grad. Zum Glück haben wir unsere Boots-Dieselheizung. Dem Wetter entsprechend waren wenig Gäste zum Stadt-Passantenhafen nach Venlo gekommen. Wir sichteten drei weitere Boote, die wir im Verlaufe der Weiterfahrt noch einmal in Grave sehen sollten.

Der neue Passantenhafen von Venlo ist für Schiffe bis 15 m Länge erreichbar. Er liegt sehr zentral am schön gestalteten Maasboulevard, der mit Restaurants und Außenterrassen eine sehr entspannte Atmosphäre verbreitet. Die schöne Innenstadt von Venlo mit vielen Geschäften und einem sehr großen Wochenmarkt am Samstag schließt sich direkt an. Ein großer Supermarkt ist auch nur wenige Minuten zu Fuß entfernt. Leider gibt es an Infrastruktur lediglich Stromversorgung, für die man in einem der Restaurants Marken kaufen kann. Die Übernachtung kostet für unser Boot 10 €.

Yachthafen Grave
Yachthafen Grave

Am nächsten Morgen nahmen wir Kurs auf Grave. Auf der Weiterfahrt bekamen wir es mit heftige Orkanböen zu tun. Der Wind war noch stärker als am Vortag. Wir fuhren mit der Strömung. Da jedoch der Wind aus der Gegenrichtung kam, baute der Sturm ordentliche Wellentäler auf, die gegen Fionas Rumpf schlugen und das Boot wippen ließen.

Wassersportclub Grave
Grave

Der WSV „De Stuw“ Grave liegt ganz zentral in dem zauberhaften Örtchen Grave und bietet alle Versorgungsmöglichkeiten. Für die Übernachtung bezahlt man 1,20€ pro Meter. Als wir gerade in der Box vertäut sind, kommen die anderen drei Boote, die am Vortag in Venlo lagen. Der Hafenmeister wunderte und freute sich gleichermaßen, dass heute so viel los ist. Ob denn in Deutschland Ferien wären … 🙂 Wir machten einen kurzen Bummel durch Grave und bereiteten uns schon mal innerlich auf die Weiterfahrt bei einer steifen Brise vor.

´s-Hertogenbosch – Den Bosch

Am nächsten Tag nahmen wir Kurs auf Den Bosch, wie die Einwohner ihre Stadt selber nennen. Offiziell heißt die Stadt ´s-Hertogenbosch und ist die Hauptstadt der Provinz Brabant. Jetzt, vor dem 1.4., waren noch einige Brücken und Schleusen unbesetzt oder hatten reduzierte Bedienzeiten. So würden wir die Zuid-Willemsvaart, die zurück nach Roermond führt, jetzt noch nicht befahren können, da die „Sluis 0“ erst ab dem 1.4. betrieben wird.

Den Bosch
In ´s-Hertogenbusch, Passantenhaven

Den Bosch liegt in einer Sackgasse, in die man hineinschleust und  dieses meist mit großen Arbeitsschiffen gemeinsam macht. Bereits hier fällt uns ein Bauboom auf. Die Schiffe transportieren Baumaterialien. In den Bosch expandieren viele Firmen mit Neubauten.

In Den Bosch gibt es mehrere Möglichkeiten anzulegen. Die ersten Anlegestellen sahen wir schon in der Nähe eines Industriegebietes vor der Stadt. In der Stadt bietet der WSV de Waterpoort mehrere Passantenliegeplätze vor und hinter der Havenbrug und im Brede-Haven hinter der Boombrug. Alle haben Strom- und Wasserversorgung, und die sanitären Einrichtungen findet man im Brückenhäuschen an der Boombrug. Wir entschieden uns für den Brede-Haven, da er uns ruhiger erschien. Die Übernachtung kostete hier für uns 10 €.

´s-Hertogenbusch
´s-Hertogenbusch City

Wieder waren nur sehr wenige Leute mit ihren privaten Schiffen in der Stadt. Wir waren an dem Anleger die einzigen Gäste. Die Hafenmeisterin erklärte uns nicht ohne Stolz, dass erst einen Tag vor uns ein 6,20 Meter-Boot über Nacht blieb. Die ersten Gäste der Saison waren wir also doch nicht.

Die Stadt ist sehr schön, es gibt viele guterhaltene restaurierte Häuser. Eine Fußgängerzone mit großem Marktplatz und vielen Geschäften und Lokalen sind auch dabei.

Einkaufcenter Den Bosch
Arena: Einkaufcenter Den Bosch

Das Wetter wurde besser. Der Sturm verzog sich, die Temperaturen stiegen in der Spitze auf 15 Grad. Der Himmel klarte auf, es war bewölkt mit einzelnen Sonnenepisoden. Am nächsten Morgen ging es weiter nach Woudrichem.

Woudrichem

Yachthafen Wourichem
Yachthafen Woudrichem

Woudrichem ist die kleine Schwesterstadt von Gorinchem, das wir letztes Jahr besucht hatten. Es liegt gegenüber von Gorinchem an der Merwede, die weiter stromaufwärts Waal heißt. Da wir Woudrichem bislang nicht kannten, hatten uns für den Ort entschieden und als Liegeplatz den Yachtclub W.S.V. Woudrichem gewählt. Die Anlage liegt sehr idyllisch. Die Mitglieder des Yachthafens hatten soeben ihr neues, schickes Vereinsgebäude fertiggestellt.

Passantensteiger Wourichem
Passantensteiger Wourichem

Auf der anderen Seite von Woudrichem nahe der Merwede liegt im historischen Stadthafen der Gästesteg mit der schönen Brücke. Woudrichem bietet ein paar kleine Geschäfte und einige Lokale. In der Hochsaison wird zwar mehr los sein, aber so voll wie in Gorinchem wird es hier nicht werden. Die Sonne zeigte sich oft und wir genossen unsere Ortsbegehung 🙂

Woudrichem – Nieuwegein

Am nächsten Morgen starteten wir zu unserem nächsten Ziel: Über den Merwedekanal nach Nieuwegein. In Gorinchem werden Freizeit-Skipper durch die kanalisierte Linge geschickt, bis sie bei Arkel wieder mit dem Merwedekanal zusammenkommt. Der Merwedekanal ist landschaftlich sehr schön, es ging vorbei an reetgedeckten Häusern, und bei gutem Wetter genossen wir die Fahrt. Bis zum Lek wird der Merwedekanal von Berufsschiffen befahren und es werden alle Brücken ganzjährig bedient. Nördlich des Lek fahren die Berufsschiffe über den Lekkanal. Wir mussten die Bedienung der Koninginnensluis Richtung Nieuwegein einen Tag  vorher telefonisch anmelden. Wir waren etwas eher da als angekündigt, der Schleusenwärter auch, so dass wir schnell und unkompliziert geschleust wurden.

Durch Zuid-Holland
Durch Zuid-Holland

Nieuwegein ist eine Stadt, an der die meisten Skipper leider vorbeifahren, da in der Nähe die überaus beliebten Ziele sind wie z.B. Gouda und Utrecht. 1971 erst entstand Nieuwegein durch Zusammenlegung der Gemeinden Jutphaas und Vreeswijk.

Stadthafen Nieuwegein
Stadthafen Nieuwegein

Im zentral gelegenen Stadthafen von Nieuwegein-Vreeswijk haben wir uns sehr wohl gefühlt. Fast skandinavisch mutete uns die Umgebung an.

Bootsurlaub Zuid-Holland
Stadthafen Nieuwegein

Zeit, die Stadt zu erkunden! In Nieuwegein-Vreeswijk gibt es eine Museumswerft und viele historische Schiffe, die direkt in der Stadt liegen und auch bewohnt werden. Ein Markt fand auch statt und wir konnten den ersten Kibbeling in der Bootssaison probieren!

Nieuwegein
Nieuwegein Altstadt

Die Altstadt ist geteilt durch den Kanal und besitzt ein ehemaliges Schleusenbecken, das aber jetzt zugemauert ist. Das ehemalige Schleusenwärterhäuschen wird dennoch weiter genutzt: Allerdings zum Haareschneiden, denn jetzt ist ein Herrenfriseur eingezogen, der sich einen Mini-Haarsalon eingerichtet hat. „Einmal Schleusenwärter-Frisur bitte“ 😉

Herrensalon
Friseursalon ehem. Schleusenwärterhaus

Das war das Ergebnis meines Besuchs im ehemaligen Schleusenwärterhauses. Nun konnte unser Bootsurlaub Zuid-Holland beginnen! Wir verbringen noch einen schönen Abend in der Stadt und machen uns am nächsten Morgen wieder auf den Weg.

Von Nieuwegein nach Gouda

Mögliche Gefahren eines „frühen“ Bootsurlaub Zuid-Holland: Wir hatten uns unser Fahrt-Timing so eingeplant, dass wir am 1.4. durch die Brücken der Hollandse IJssel fahren konnten, denn dann wurden sie laut Almanak bedient. Nach wenigen hundert gefahrenen Metern entdeckten wir an der Doorslagbrug etwas, womit wir nicht gerechnet hatten…

Doppelrot vor Brücke
Doppelrot vor Brücke trotz 1.4.

Was ist das? Doppelrot sollte seit seit dem 1.4., also ab heute nicht mehr sein. Sollte unser Bootsurlaub Zuid-Holland hier zu Ende sein? Wenn diese Brücke nicht öffnen würde,  müsste man den großen Schlenker über Rotterdam fahren … ein Riesenumweg, und natürlich ist auch die Schleusung zurück in den Lek bei der Koninginnensluis nicht angekündigt.

Ein Telefonat verhalf schließlich zu einer Öffnung und wir konnten unseren Weg fortsetzen. Unsere Befürchtung, dass die anderen Brücken, die wir uns auf der Hollandse IJssel öffnen lassen müssen, sowie die Schleuse vor Gouda auch noch im „Winterschlaf“ wären, zerstreute sich, nachdem wir den ersten Gegenverkehr hatten 🙂

Stadthafen
Stadthafen

Dieser Stadthafen ist sehr schön, deshalb bekommt er gleich zwei Bilder (oben und unten).

Stadthafen Zuid-Holland
Stadthafen

Wir gewannen viele neue Eindrücke. Hier gibt es sehr schöne Orte und Städte und immer wieder hübsche Haltemöglichkeiten.

Zuid-Holland
Aufstoppen vor Brücke

Allerdings gibt es auch zahlreiche Brücken, die für uns geöffnete werden müssen. Die meisten sind unter 2 m, viele haben auch nur eine Durchfahrthöhe von unter einemMeter. Unsere Schiffshöhe beträgt 3,40 Meter mit oberem -abnehmbarem- Geräteträger. Wenn wir ihn abnehmen, dann beträgt die Höhe noch 3 Meter über der Wasserlinie.

Vor Gouda
Vor Gouda

Wettermäßig ging es auf die 20 Grad. Windstärken mit ein bis zwei Beaufort waren nicht der Rede wert.  So hatten wir uns den Bootsurlaub Zuid-Holland gewünscht: Langsam und entspannend durch die schönsten Gegenden in Zuid-Holland bei Sonnenschein!

Schleuse Zuid-Holland
Schleuse stromaufwärts vor Gouda

Vor Gouda hatten wir noch eine kleine, aber interessante Schleuse. Auch hier gab es eine zügige Bedienung. Der Schleusenwärter stand schon parat bei unserem Eintreffen und schien sich zu freuen, endlich mal wieder seine Schleuse in Gang setzen zu können nach der langen Winterpause. Nun war es nicht mehr weit nach Gouda. Wir hatten jetzt nur noch die große Schleuse vor Gouda vor uns. Auch diese Schleusung lief sehr zügig, fast ohne Wartezeit für uns.

Gouda, Hollandse Ijssel
Gouda, Hollandse Ijssel

Hier auf der Hollandse Ijssel vor Gouda gibt es ein paar Gästestege. Die eine Seite war ganz hübsch: Der Blick nach Gouda. Die andere Seite war nicht so prickelnd. Hier sah es eher industriell aus. Die Mallegatsluis sowie die Brücken von Gouda waren zu dieser frühen Jahreszeit noch geschlossen, so dass wir leider nicht durch Gouda fahren konnten, und auch die Passantenliegeplätze waren nicht zu erreichen. Hier fänge die Saison erst Mitte April an.

Unser Ziel für heute war deswegen der W.V. Gouda, der fast im Zentum liegt bzw. nur etwa 2 km von der Altstadt entfernt ist. Der Hafen bietet Strom, Wasser, Waschhäuser, WiFi und liegt gegenüber einem Einkaufszentrum  mit einem Baumarkt, Möbelgeschäft, Schuhladen, ein großer Discounter für Sonderposten (heißt Action) und das alles ist sogar am Wochenende geöffnet. Die Übernachtung im Yachtclub kostete hier 11 €.

Yachtclub Gouda
Yachtclub Gouda

Gouda gehört zu den „Must-See-Places“. Wir werden von der Stadt noch Bilder nachreichen im nächsten Teil dieser Reise. Bootsmäßig gesehen war es sehr leer in der Stadt. Die Passantenanleger in der Stadt waren alle unbesetzt.

Gouda Anleger
Gouda City: Trotz schönstem Aprilwetter Leere

Gouda ist wunderschön. Tagsüber erkundeten wir die Stadt mit dem Fahrrad, am Abend gab es ein Bier auf dem Marktplatz mit der eindrucksvollen Kulisse des Stadthuis. Am nächsten Tag unternahmen wir die anstrengendste Fahrt überhaupt in diesem Urlaub. Es ging zur Stadt Zoutermeer. Fahrtstrecke: 44 km. Jedoch mit dem Fahrrad. Für uns war es die erste Tour. Vielleicht ein bisschen weit für die erste Tour in 2016. Nach der Tour hatten wir erst einmal „Körper“ 😉

Das eigentliche Ziel unserer ersten Etappe unseres Bootsurlaub Zuid-Holland sollte Alphen aan den Rijn sein. Nach zwei Tagen in Gouda sollte es weiter gehen.

Alphen
Alphen

Die Archtitektur in Alphen fanden wir beeindruckend. Vieles war  modern, pfiffig und wirkte auf den ersten Blick sehr angenehm. Wir sichteten aber auch viele ältere Villen, die super restauriert waren. Alles sieht sehr ordentlich und sauber aus.

Alphen City
Alphen City

Das Wetter war immer noch sehr schön, ca. 20 Grad und die Leute saßen draußen auf den Terrassen.

Eiscafé in Alphen
Eiscafé in Alphen

Wenig später saßen auch wir im Außenbereich des Café De Zaak und hatten einen tollen Eiskaffee 🙂

Baulücke - umgestürzter Kran
Baulücke – umgestürzter Kran

Vor einiger Zeit war ja ein Kran an dieser Stelle in Alphen auf ein Haus gestürzt. Jetzt ist dort eine Baulücke. Hier in Alphen geht unserer Bericht vorerst zu Ende. Wir suchten uns ein schönes Platzchen für Fiona zum festmachen. Zum Glück sollte es noch weitergehen. Wäre ja auch zu schade gewesen, wenn unser Bootsurlaub Zuid-Holland schon beendet sein sollte.

Bootsurlaub Zuid-Holland
Villa in Alphen

Das waren unsere ersten neun Tage. Wir freuen uns schon auf die nächste Etappe unseres „Bootsurlaub Zuid-Holland“!

 

Karten* für dieses Fahrgebiet:

ANWB Wateratlas M Limburgse Maas

ANWB Waterkaart L Grote Rivieren Oost

ANWB Waterkaart K Grote Rivieren Midden

ANWB Waterkaart I Vechtplassen

Literatur*:

Hausbooturlaub Niederlande: Der Süden von Ingrid Bardenheuer und Hans Zaglitsch (unsere Rezension dazu)

Holland 1: Zeeland und die südlichen Provinzen von Jan Werner (unsere Rezension dazu)

 

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Törn-Tipps: Hausbooturlaub Niederlande-Der Süden

Hausbooturlaub in den Niederlanden

Hausbooturlaub in den NiederlandenWir möchten heute eine aktuelle Neuerscheinung unter den Reiseführern für einen Bootsurlaub in den Niederlanden vorstellen: „Hausbooturlaub Niederlande: Der Süden„* von Ingrid Bardenheuer und Hans Zaglitsch. Erschienen ist das Buch als Klappenbroschur im Delius Klasing Verlag, Edition Maritim, in der 1. Auflage 2016.

Nach einer kurz gehaltenen Einleitung geht es gleich los mit insgesamt vier Routenvorschlägen und knapp 1000 km Wasserwegen: „Die Randstadt-Runde – Kurs grünes Herz“ mit dem Bereich Amsterdam – Utrecht – Den Haag, „Das Veerse Meer – ins Delta“ mit der Region um Middelburg, „Maas und Zuid-Willemsvaart – flussaufwärts“ mit der Region zwischen Roermond, ’s-Hertogenbosch und dem Biesbosch, sowie „Die Willemsroute – über die Grenze!“ zwischen Roermond und Maastricht über Belgien. Für jede der vier Routen gibt es einen Vorschlag für eine Basisstrecke, für die ca. 6 Fahrtage veranschlagt sind, dazu eine mögliche Verlängerung für ca. 3 weitere Fahrtage und einen Kurztrip für einen Kurzurlaub oder ein verlängertes Wochenende mit 3 Fahrtagen.

Alle Routen sind mit einer Durchfahrthöhe von bis zu 3,50 m befahrbar. Zu jeder Route, Verlängerungsstrecke und zu jedem Kurztrip gibt es eine Zusammenstellung der Anzahl von Schleusen und beweglichen Brücken, Informationen über den Schwierigkeitsgrad und die tägliche Fahrzeit. Dazu kommen Kilometerangaben, Schleusen und bewegliche Brücken aufgeschlüsselt für die einzelnen Tagesetappen. Am Ende des Buches gibt es für jede Route noch weiterführende nützliche Informationen: Tankmöglichkeiten, Literatur und Karten für die Strecke sowie eine Auswahl von Charterunternehmen für das jeweilige Revier.

Über diese Basisinformationen hinaus sind die einzelnen Orte auf der Strecke im Stil eines Reiseführers beschrieben. Es gibt Informationen zur Geschichte der Orte, Sehenswürdigkeiten, zum Teil Kuriositäten wie der Engel mit Handy am Ohr in ’s-Hertogenbosch, den man anrufen kann, Ausflugstipps und Restaurantempfehlungen.

Quintessenz

Die Informationen in diesem Reiseführer sind sehr aktuell, und er beinhaltet alles, was man für die Planung eines Hausbooturlaubes wissen sollte. Auch die vielen schönen Fotos, mit denen das Buch bebildert ist, machen Lust auf einen Hausbooturlaub in den Niederlanden.

Dieser Reiseführer behandelt zum Teil die gleichen Strecken wie der Törnführer „Holland – Zeeland und die südliche Provinzen“ von Jan Werner, den wir bereits besprochen haben, aber Jan Werner legt ein stärkeres Gewicht auf die Wasserwege und die nautischen Gegebenheiten. Deswegen ergänzen sich die beiden Bücher sehr gut für die Vorbereitung eines Bootsurlaubes.

An dieser Stelle möchten wir uns auch ganz herzlich beim Delius Klasing Verlag bedanken, der uns das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

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Bootsurlaub Friesland: Stavoren – Roermond

Über Woudsend zum Tjeukemeer * Bootsurlaub Friesland

Woudsend - Wohnen in der Kirche
Woudsend – Wohnen in der Kirche

Der Koningsdag in Stavoren leitete ein markantes Datum: Unser Bootsurlaub Friesland war leider so gut wie vorbei. In den vorherigen zwei Wochen waren wir von Roermond aus gestartet haben den Princenhof, Bolsward, Giethoorn, Sneek und viele andere schöne Plätze besucht.

Ab jetzt heißt es viel fahren, wenn wir rechtzeitig wieder zu Hause sein wollen. Das bedeutet: rechtzeitig „Leinen los“ in Stavoren, unserem aktuellen Aufenthaltsort, noch kurz Wasser getankt, und schon sind wir unterwegs auf dem Johan-Friso-Kanaal Richtung De Flüssen und Heeger Meer. Da diese Strecke auch von Berufsschiffen befahren werden kann, gibt es auch für uns keine Einschränkungen bei den Brücken. Allerdings ist diese Strecke bei ruhigem Wetter auch recht unspektakulär. Bei Wind können der Fluessen und das Heeger Meer schon mal recht ruppig daherkommen. Wir haben aber Glück, und nach gut zwei Stunden biegen wir am Ende des Heeger Meers südlich ab Richtung Woudsend.

Die Ortsdurchfahrt von Woudsend ist immer lohnend. Besonders schön finden wir eine ehemalige Kirche, die zu einem Wohnhaus umgebaut wurde, und die historische Sägemühle „de Jager“, eine der wenigen erhaltenen Windmühlen die als Sägewerk genutzt wurden. Diese Mühle steht direkt am Wasser, ist noch funktiontüchtig und kann immer Samstags besichtigt werden.

Bootsurlaub Friesland - Sägemühle „de Jager“
Historische Sägemühle „de Jager“

An Sloten vorbei fahren wir dann Richtung Tjeukemeer zur Marchjepolle, einem unserer liebsten Marrekrite-Anleger – eine Insel nur für Liegeplätze, aber auch groß genug für einen kleinen Spaziergang zum kleinen Strand. Hier bleiben wir für die Nacht und packen noch einmal unseren Bootsgrill „Son of Hibachi“ aus.

Bootsurlaub Friesland
Tjeukemeer, Leigeplätze an der Marchjepolle
Tjeukemeer, Marchjepolle
Tjeukemeer, Marchjepolle

Abendstimmung am Tjeukemeer. Von sonnig warm mit blauem Himmel bis stürmisch, regnerisch und kühl: Unser Bootsurlaub Friesland  bot auch dieses Jahr wieder viele Varianten.

Strand auf der Insel Marchjepolle
Strand auf der Insel Marchjepolle

Durch die Kalenberger Gracht

Wegweiser in Overijssel
Wegweiser in Overijssel

Am nächsten Morgen verlassen wir bei Echtenerbrug offiziell Friesland und fahren über die schnurgerade Jonkers-of Helomavaort Richtung Ossenzijl. Hier haben wir schon wieder die automatischen oder fernbedienten Brücken, die typisch für Noord West Overijssel sind. Nachdem wir die leicht zu bewältigende Linthorst Homansluis passiert haben, sind wir schon bald in Ossenzijl und auf dem Weg in die Kalenbergergracht, eine der schönsten Strecken in der Gegend. Rechts und links der Strecke wunderschöne Häuser und sehr hübsche Örtchen, und immer zwischendurch Zugänge zum Nationalpark De Weerribben, den wir mit Fiona allerdings nicht befahren können. Auf der Kalenbergergracht gilt eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 6 km/h, die aber angesichts der Schönheit der Strecke eher ein Vorteil ist.

Overijssel, Kalenberger Gracht
Overijssel, Kalenberger Gracht
Overijssel, Kalenberger Gracht
Overijssel, Kalenberger Gracht

An der Walengracht zwischen Giethoornse Meer und Beulaker Wijde finden wir ganz neue freie Anlegestellen, die hier in Overijssel allerdings nicht mehr von der friesländischen Marrekrite betrieben werden.

Durch die Beukerssluis geht es Richtung Zwartsluis und wieder Richtung Berufsschifffahrt. Ein großes Berufsschiff, das uns kurz vor einer Brücke zu einem spontanen Wendemanöver animiert, erinnert uns daran ab jetzt wieder erhöhte Aufmerksamkeit walten zu lassen und vor allem das Funkgerät wieder einzuschalten.

Zwolle

Zwolle - kreatives Festmachen vor beweglicher Brücke
Zwolle – kreatives Festmachen vor beweglicher Brücke

Unser Tagesziel ist Zwolle, das nur durch bewegliche Brücken zu erreichen ist. Diese Brücken sind durch den Stadtverkehr stark befahren und haben deswegen nur bestimmte Öffnungszeiten. Leider gibt es keine Liegeplätze vor der Brücke, was zu teilweise sehr kreativen Anlegevarianten führen kann. Für Zwolle bietet sich daher eine gute Planung der Ankunftszeit an. Dafür wird man mit schönen Liegeplätzen mit Stromanschluss mitten in der Stadt belohnt. Zu dieser frühen Jahreszeit sind sowohl Hafenmeisterbüro als auch sanitäre Einrichtungen noch geschlossen. Da auch kein Hafenmeister vorbei kam, liegen wir kostenlos mitten in Zwolle.

Mit einem leider nicht sehr guten griechischem Essen bestehend aus einer sehr kleinen Portion lauwarmem, sparsam gewürztem Gyros lassen wir den Tag ausklingen.

Zurück nach Roermond nehmen wir die gleiche Strecke wie bei der Hinfahrt, nur diesmal gegen die beachtliche Strömung der IJssel, die unsere Fahrzeit deutlich verlängert. Zum Glück schaffen wir es trotzdem rechtzeitig, Fiona im Heimathafen De Rosslag festzumachen. Damit war unser diesjähriger Bootsurlaub Friesland beendet.

Bootsurlaub Passantenhafen Zwolle
Passantenhafen Zwolle
Zwolle
Zwolle

Roermonds Grachten – die Rurmündung

Die Rur in Roermond – Roermonds Grachten

Im Sommer besuchen wir öfters die Stadt Roermond mit dem Boot und legen direkt in der Altstadt an. Von unserem Hafen in Roermond-Herten fahren wir ein paar Minuten die Maas zu Tal, biegen dann auf die Rur ein, die hier in den Niederlanden Roer heißt, und sind ganz schnell im Zentrum. Sowohl zur Stadt als auch an einigen Stellen zur Maasseite kann man das Boot an Roermonds Grachten festmachen. Wer als Bootfahrer schon mal dort war, weiß auch, dass die Roer manchmal stark strömt und dass das Anlegemanöver darauf ausgerichtet sein sollte, will man nicht gegen andere Boote versetzt werden.

Roemond Stadthafen

Während des Sommers ist es  besonders an den Wochenenden nicht einfach, einen Anlegeplatz zu bekommen, da viele andere Crews die gleiche Idee mit dem Landgang in der Innenstadt zu haben scheinen. Auf dem Bild unten links befindet sich die Anlegestelle des Rundfahrtschiffs „Voorstad“. Dieser Bereich ist für das Personenschiff freizuhalten.

Vorab zur Info: Unter „Gracht“ versteht der Niederländer einen Kanal, einen Graben oder einen  Wassergraben. In diesem Bereich von Roermond handelt es sich aber um die Rurmündung, also um einen kleinen Fluss. Jedoch scheint es für viele Leute so auszusehen wie eine Gracht, deshalb habe ich diesen charmanten Begriff hier einfach übernommen 🙂

Hat man einen Anlegeplatz gefunden, so steht einem die Stadt mit ihren Annehmlichkeiten offen. Hier verbindet man gleich das Nützliche mit dem Angenehmen und kann Lebensmittel bunkern, in der Stadt shoppen oder gleich zum nahegelegenen Outlet gehen. Auch die Wochenmärkte, ein großer jeden Samstag auf dem Markt vor dem Rathaus und ein kleiner jeden Mittwoch auf dem Munsterplein lohnen einen Besuch. Die vielen Cafés, Restaurants und Lokale laden zum Verweilen ein, oftmals auf der Terrasse unter freiem Himmel, teils mit sehr schönem Blick auf den Innenstadthafen, die Roer oder auf die Maas (z.B. vom Restaurant im Yachthaven Nautilus). Besonders dann, wenn Gäste an Bord sind, ist der Innenstadthafen ein schönes Ziel für einen Ausflug. Leider darf man im Stadthafen nicht übernachten und so fahren wir morgens los, machen das Boot fest und besorgen uns in der Stadt frische Brötchen und alles, was wir gerne zum Frühstück hätten. Ein größerer „Jumbo“-Supermarkt ist direkt in der Nähe, in der Einkaufspassage „Roercenter“.

Normalerweise ist spätestens vor der Steinbrücke „Maria Theresia Brug“, die vom Zentrum zur Voorstad St. Jacob führt, Schluss mit dem Bootfahren für Boote mit größerem Tiefgang bzw. mit größeren Abmessungen.

Bootsfahrt Roemonds Grachten
Die Rurmündung, Roermond

Im Sommer hatten wir die Idee, mit unserem kleinen Schlauchboot die „Grachten Roermonds“ im weiteren Verlauf zu erkunden. Von der Innenstadt fuhren wir zu Berg und merkten spätestens hinter der Steinbrücke als die Roer immer schmaler wurde, wie stark die Strömung hier ist. Unser kleiner Außenborder mit 2,3 PS musste sich anstrengen, um uns zu zweit im im Boot gegen die Strömung zu schieben.

Roer in Roemond
Roermond, Voorstad

Wenig später hatten wir Gegenverkehr von einem Boot, das uns recht schnell entgegenkam. Die hohe Geschwindigkeit des Boots war auch nötig, damit es in der starken Strömung steuerbar bleibt.

Rurmündung Roermond
Chill-Ecke, Rur in Roermond

Die Roer fließt hier durch den Roermonder Stadtteil Voorstad. Wir fuhren an schönen Gärten vorbei, die von Ihren Besitzern mit Lounge-Möbeln zu gemütlichen Sitzecken ausgestattet waren. Eigene Bootsanleger an den Gärten sind natürlich auch vorhanden.

Rur in Limburg

Irgendwann hat man die Wahl links oder rechts abzubiegen. Fährt man links, ist hinter dieser Brückendurchfahrt am Molenweg Schluss und man muss kehrt machen. Also fuhren wir zurück und nahmen den anderen Weg.

Richtung Steelhaven
Rur, Richtung Steelhaven vom Zentrum

Folgt man dagegen dem Flussverlauf der Roer zu Berg, kommt man Richtung Steelhaven (hinten rechts).

Wenn wir auf der Straße waren, haben wir den unscheinbaren Wassergraben, den wir kaum als die Roer wahrgenommen haben, kaum beachtet.

Roermonds Grachten
Vorstaad Richtung Roermond City

Viel weiter kann man auch in dieser Richtung auf Roermonds Grachten nicht fahren und so fuhren wir zurück. Vom Wasser aus gesehen ist es hier wirklich hübsch. Gelegentlich muss man aufpassen wegen des Tiefgangs und man sollte nicht zu weit außen fahren. Plötzlich müssen wir schneller als die Strömung fahren, um das Boot lenken zu können.

Roermonds Grachten
Roer, Nahe Roermond Zentrum

An eine Stadt erinnert hier nichts. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.

Steinbrücke Roermond
Roermond Innenstadthafen

Der Hafen in der Roermonder Altstadt vor der Steinbrücke. Gleich sind wir wieder auf Fiona.

Steinbrug in Roermond
Maria Theresia Brug, Steinbrücke Roermond

Obwohl unsere erste Bootsfahrt in Roermond schon einige Jahre zurück liegt, sind wir noch nie weiter gefahren als bis zur Steinbrücke und haben somit erst jetzt Roermonds Grachten kennen gelernt. Uns hat die Tour sehr gut gefallen und auch wenn sie relativ kurz war, waren wir überrascht, wie schön es in diesem Teil Roermonds ist.

Mehr Infos:  Bootfahren in den Niederlanden
Infos über Limburg

 

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Untiefen * De Spaanjerd/ Belgien

Untiefen Spanjerd EinfahrtUntiefen in Einfahrt nach De Spaanjerd behoben (siehe Update unten)

Leider ist die Einmündung gegenüber dem Dorf Stevensweert/ von der Maas kommend in den Plas Spaanjerd (bei ca. km 62) auch dieses Jahr nur in der Mitte befahrbar bzw. ausschließlich von Booten mit wenig Tiefgang seitlich befahrbar. Da kein Zeichen oder kein Schild vor den seitlichen Untiefen in der Einfahrt warnt, setzen jedes Jahr mehrere Boote mit – meist ortsunkundigen –  Crews auf die Untiefen auf.

Untiefen und Gefahr
Antrieb

In einzelnen Fällen geht es zwar glimpflich aus, aber oftmals werden Propeller, Antrieb oder das Unterwasserschiff beschädigt.

Daher raten wir, bei Begegnungen mit anderen Schiffen gegebenenfalls zu warten, aber keinesfalls zu viel Abstand von der Einfahrtsmitte zu halten. Beim Ausfahren vom See in die Maas muss sogar deutlich Abstand zum Ufer gehalten werden, da nahezu das erste Drittel steuerbords untief zu sein scheint.

Es wäre dringend erforderlich, wenn die zuständigen belgischen Behörden entsprechende Maßnahmen ergreifen, denn ein Ausbaggern der Einfahrt, das Anbringen einer Fahrbahnrinnenmarkierung  oder zumindest ein Warnschild sollte machbar sein.

UPDATE, Saison 2017: Die Untiefen sind behoben. Nahezu der ganze See ist befahrbar. Die Fahrrinne ist zwar immer noch vorhanden, aber unseres Wissens nach fahren fast überall auf dem Spaanjerd-See Boote. Der See wurde tief ausgebaggert, an einigen Stellen sind noch Arbeitsschiffe tätig.

Koningsdag in Stavoren – ein Land sieht Orange

Die Anreise: Flüssen – Workum – Stavoren

Das Tagesziel an diesem Tag sollte Stavoren sein, und da das Wetter gut genug war für eine Tour über das IJsselmeer, ging es vom Marrekrite-Anleger im Flüssen zunächst wieder zurück nach Workum und durch den ganzen Ort bis zur Schleuse zum IJsselmeer. In der Nähe der Schleuse landeinwärts befinden sich einige Liegeplätze der „braunen Flotte“, große Segelschiffe, auf denen man mit einer Gruppe ein paar Tage mit einem Skipper auf dem IJsselmeer segeln kann. Prompt kam uns auf der engen Durchfahrt im Dorf Workum direkt vor der Schleuse solch ein Schiff entgegen, so dass wir spontan ein sofortiges Anlegemanöver an Backbord einleiten mussten, was aber sehr gut gelang. Die nächste Schleusung war dann für uns, und kurz drauf befanden wir uns bei bestem Wetter auf dem IJsselmeer. Da sich auf dem flachen IJsselmeer bei mittlerer Windstärke eine unangenehm Welle mit kurzen Wellentälern aufbauen kann, fahren wir diese Strecke möglichst nur bei entsprechender Wetterlage.

Neue Schleuse Stavoren
Johan Frisosluis – die neue Schleuse in Stavoren (eröffnet 2014)

 

Den schönen Ort Hindeloopen, eigentlich auch immer einen Besuch wert, ließen wir auf dem IJsselmeer zunächst an Backbord vorbeiziehen und waren kurze Zeit später an der neuen Johan Frisosluis in Stavoren, die offiziell erst in ein paar Tagen von König Willem-Alexander eröffnet werden sollte, aber zum Glück schon in Betrieb war. Diese Schleuse ist sehr gelungen, mit komfortablen Schwimmpollern, so dass wir nach einer sehr angenehmen Schleusung kurz darauf den binnen gelegenen Passantenhafen von Stavoren anlaufen konnten. Hier gibt es eine Tankstelle, die sowohl von Autos als auch von Booten genutzt werden kann, mit entsprechend günstigen Preisen. Das nutzen wir natürlich gerne, um unseren Vorrat an Diesel wieder aufzufüllen. Im Passantenhafen von Stavoren gibt es daneben Wasser, Strom und recht gute sanitäre Einrichtungen. Zum Abschluss des Tages gab es unseren Lieblings-Spaziergang in Stavoren, über den IJsselmeer-Deich von einer Schleuse zur anderen und durch das Dorf wieder zurück.

Orange Flaggen
Innenstadthafen Stavoren, Beflaggung für Koningsdag

Koningsdag – Ein besonderer Tag in den Niederlanden

Am nächsten Tag war ein ganz besonderer Tag für die Niederländer: Der erste „Koningsdag“ für Ihren König Willem Alexander, nachdem es bisher immer den „Koniginnendag“ gegeben hatte. Henk, bei dem wir in den Vorjahren stets „unsere“ Lady Ann gechartert hatten, hatte uns immer von diesem Tag vorgeschwärmt und uns erklärt, dass an diesen Tag das ganze Land „oranje“ sei. Dieses Mal waren wir am Koningsdag in Holland und hatten uns auch vorbereitet: Fiona wurde mit orangenen Fähnchen dekorativ für das hohe Ereignis aufgebrezelt und auch für uns selber hatten wir etwas Orangenes besorgt.

Koningsdag

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Ei fast gefangen, das Eigelb fliegt noch …

Nachdem alle mit ihren Festtagssachen ausgestattet waren, ging es zu einem Spaziergang durch das Dorf auf der Suche nach den Koningsdag-Feierlichkeiten. Hier lernten wir eines der typischen Koningsdag-Spiele kennen: Eierwerfen. Zwei Personen bilden ein Team, einer ist Werfer, einer Fänger, und es wird ein rohes(!) Ei geworfen und muss aufgefangen werden. Gelingt das, wird die Distanz um 2,5 m erhöht, Werfer und Fänger wechseln ihre Rollen und das nächste Ei wird geworfen. Was bei 5 m noch machbar wirkt, wird mit höherer Distanz natürlich immer spannender. Dabei kann es natürlich auch mal vorkommen, dass ein Ei vom Fänger zerquetscht wird oder auf einem der Zuschauer landet…

Nachdem wir dort noch ein Bier auf den König getrunken hatten, ging es zurück zu Fiona zu natürlich grell orange eingefärbten Tompoezen, dem leckeren niederländischen Nationalgebäck, die an diesem Tag auch zum Programm gehörten.

Literatur und Unterlagen:

ANWB Waterkaart B „Friesland“*

Wasseralmanach 1 Regelwerk für Binnenschifffahrt (BPR) (ANWB wateralmanak)*

Wasseralmanach 2 Daten für Inland Wasserwege (ANWB wateralmanak)*

Friesland: Zwischen Ems, IJsselmeer, Waddenzee und IJssel Mit Twenterevier und Route durch das Veen* von Manfred Fenzl.

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Lüttich per Boot

Lüttich

Einmal in Maastricht angekommen, sollte es Richtung Belgien weitergehen. Unser Neues Ziel heißt Lüttich, und so kommt jetzt wieder unsere belgische Wasserkarte, der Belgium Navigable Waterways Atlas* zum Einsatz, den wir schon während unserer Tour durch Flandern sehr zu schätzen gelernt hatten.

Stromabwärts von Maastricht ist die Maas ein paar Kilometer lang nicht schiffbar, deswegen müssen wir auf den Albertkanal ausweichen. Lüttich lässt sich auf zwei Wegen erreichen: Entweder direkt weiter über den Albertkanal oder ab Vise wieder über die Maas. Da wir frühzeitig in Lüttich ankommen wollen, wählen wir den Weg direkt über den Albertkanal und sparen uns dadurch zwei Schleusenvorgänge. Die Maas heben wir uns für den Rückweg auf, wobei wir planen, eine Nacht in Visé zu verbringen.

Als erstes gilt es, von Maastricht auf den Albertkanal zu schleusen. Bei der Schleuse Lanaye mussten wir während der Umbauarbeiten schleusen. Es handelt sich um eine von der Berufsschifffahrt stark frequentierte Schleuse. So waren wir das einzige Sportboot, das mit den großen geschleust wurde. Der Hub beträgt 14 Meter, die Schleuse ist 190 Meter lang.

Zu Berg angekommen, fällt zunächst die spektakuläre Landschaft des Maastrichter Mergelgebietes ins Auge – Tuffsteinhügel, mit vielen Höhlen im porösen Gestein, die steil vom Albertkanal aufragen. Diese schöne Landschaft hat aber recht bald ein Ende, und danach befährt man eine überwiegend wenig schöne Strecke nach Lüttich. Viel Industrie, grau in grau und man ist froh, wenn man diese Strecke endlich zurückgelegt hat. Wenig überraschenderweise ist hier keine bis kaum Freizeitschifffahrt vorzufinden, auch keine Anlegestellen für Sportboote.

Lüttich
Lüttich

Irgendwann fährt man am Denkmal an der überlebensgroßen Statue von König Albert vorbei, welches den Beginn des Albertkanals und damit seine Abzweigung von der Maas kennzeichnet. Von jetzt an beginnt Lüttich. Lüttich präsentiert sich von der Architektur her zunächst im Stil der Plattenbauten und wechselt zum Altbau ins frühe und mittlere 20. Jahrhundert. Wo es machbar ist, auch gerne Graffitis.

Marina Lüttich
Port des Yachts, Lüttich

Man befährt jetzt wieder die Maas, die hier inzwischen „La Meuse“ heißt, passiert mehrere Brücken in Lüttich und wir sehen die Einfahrt unseres Hafens, der sich mitten in Lüttich befindet. Der Hafen „Port des Yachts“ ist wie ein langer Schlauch aufgebaut. Gästeplätze, an denen zur Stadt hin längsseits festgemacht wird, befinden sich von der Einfahrt des Hafens bis fast ins erste Drittel. Zur Flusseite befinden sich Dauerlieger. Mittels einer Landzunge haben die Eigner somit direkt Zugang zu ihren Booten.

Der Hafen liegt ein paar Meter unter der Stadtoberfläche und ist damit recht gut vor Wind geschützt. Wellen bergauf schnellfahrender Berufsschiffe merkte man an unserem Liegeplatz ein wenig, da sie quasi in den Hafen hineinrollen. Fiona befand sich etwa auf halber Strecke des Gästesteigers.

Restaurant am Hafen
La Capitainerie

Der Hafenmeister hat seinen Schreibtisch im Büro des Fremdenverkehrsvereins, des VVV, in einem modernen Gebäude am Kopf des Hafens, der Capitanerie. Hier ist auch das Waschgebäude untergebracht. Einen Zugang vergibt der Hafenmeister gegen Bezahlung. Der größte Komplex der Capitanerie wird von einem Restaurant genutzt, das wir leider nur als „Fermez“ in Erinnerung haben.

Da wir während eines Urlaubstages des Hafenmeisters ankamen, blieb uns der einzige Zu- und Ausgang des Hafens, eine Tür mit elektrischem Zahlenschloss geschlossen. Ein freundlicher Nachbar teilte uns den Code mit, so dass wir erleichtert einen Gang in die Stadt machen konnten.

Shopping Liege
Fußgängerzone Lüttich

Bereits hier war unübersehbar, dass in Lüttich die offizielle Sprache Französisch ist. Deutsche Crews haben wir während unseres Aufenthalts nicht angetroffen. Mit englisch- oder deutschsprechenden Leuten sind wir während unseres Besuchs überhaupt nicht in Kontakt gekommen. Also hieß es: Mobilisieren aller verfügbaren Franözösisch-Vokabeln.

Ein paar Meter oberhalb des Hafens zeigt sich die City von Lüttich als sehr lebhafte, teils hyperventilierende Stadt. Sie wird vom übermächtigen Autoverkehr auf zu großen mehrspurigen und auch auf zu kleinen Straßen umrissen, die durch die Stadt verlaufen und die oftmals eines gemeinsam haben: Der Verkehr fließt sehr zäh, ist laut und die Luft hat einen sehr hohen Anteil an Abgasen. Das Verkehrskonzept schien uns veraltet und stark verbesserungsbedürftig. Selbst inmitten der Fußgängerzone gibt es winzige Straßen, die gar nichts bringen und stets hoffnungslos zugestaut sind.

Modernes bietet Lüttich mit einigen Einkaufszentren, Prachtvolles mit restaurierten mittelalterlichen Gebäuden, die heute teils in städtischer oder unter kommunaler Nutzung stehen. Außerdem gibt es luxuriöse Büropaläste mit edelsten Materialien für prestigeträchtige Firmen. Leider waren für unseren Geschmack zu viele Gebäude verfallen und stark renovierungsbedürftig. Ein durchweg schönes Zentrum, wie wir es während unserer Bootstour durch Flandern vielfach gesehen hatten, sucht man in Lüttich vergebens.

LüttichAufgefallen sind uns die vielen Schulen, die auch in unmittelbarer Nähe zur Fußgängerzone überall sind. Positiv insofern, dass hier anscheinend keine Verdrängung stattgefunden hat. Dennoch waren wir erstaunt , dass derart viele Schulen auf so engem Raum existieren.

Nachts zeigt sich Lüttich bunt und lebhaft dank seiner Kneipenlandschaft. Wir beendeten unseren ersten Abend kurz nach Mitternacht und gingen am nächsten Morgen nach dem Anmelden beim Hafenmeister in die Stadt, um ein wenig Proviant zu bunkern. Einen Aldi fanden wir etwa 0,5 km entfernt vom Hafen, in der Rue des Guillemin, der typisch flämische Lebensmittel anbietet. Wie überall in Belgien zeigt sich auch in Lüttich der französische Einfluss in einer sehr guten Auswahl an hochwertigen Lebensmitteln. Als Tipp wären die Quiches und die Tomatensuppe genannt – serviert mit einem Löffel Schmand, lecker! Auch der Wein, der angeboten wird, ist durchaus gut. Einen gut sortierten Carrefour gibt es in der Fußgängerzone gegenüber dem Palais des Princes-Eveques in der Geschäftsgalerie Saint-Lambert, gelegen auf dem gleichnamigen Platz.

Das Preisniveau für Lebensmittel und Getränke ist höher als in Deutschland. Beispielsweise lassen sich hier niedrig preisige Weine nicht verkaufen, entsprechend ist das Angebot aufgebaut.

Hafen Lüttich
Ports des Yachts

Am späten Abend ist es im Hafen am schönsten: Die Dunkelheit verdeckt die renovierungsbedürftige Bausubstanz, und Häuser und Brücken sind bunt beleuchtet. Mit einer leckeren Quiche und einem Glas guten Rotwein lässt sich die Aussicht auf die nächtliche Stadt wunderbar genießen.

Liege
Bahnhof Liege

 

 

Vom übermäßigen Autoverkehr und verfallenenen Gebäuden sollte man sich also nicht die Lust auf Lüttich verderben lassen – es gibt dennoch Highlights zu entdecken. Der Hauptbahnhof ist eines davon und beeindruckt durch seine hypermoderne Bauweise.

 

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Auch der Ausblick vom Bahnhof ist gelungen.

Lüttich
Blick vom Bahnhof

 

 

 

Friesland-Bootsurlaub Etappe 9: Workum

Die Workumer Trekvaart

Nachdem wir unseren Wasservorrat im Passantenhafen von Bolsward wieder aufgefüllt hatten, ging es über die schöne Workumer Trekvaart Richtung Workum. Ganz gemütlich, mit den erlaubten 9 km/h fahren wir durch Landschaft und kleine Dörfer, vorbei an Schafen und Bauernhöfen. Die Abzweigung nach Makkum – auch ein lohnenswerter Abstecher – lassen wir dieses Mal rechts von uns liegen und fahren an Tjerkwerd und Parrega vorbei, zwei kleine Ortschaften, in denen es vor den Brücken schon einmal etwas enger werden kann. Zwar gibt es auf dieser Strecke nur Hausboote und keine Berufsschiffe, aber vor den Brücken trifft man sich, und der Wasserweg ist nicht allzu breit.

Friesische Landschaft
Friesische Landschaft

Auch hier gilt es wieder die Bedienungszeiten der Brücken zu beachten. Zum Glück gibt es auf dieser Strecke vor den Brücken zumindest „Warteplätze“, an denen man sicher fest machen kann. Mit etwas Pech in direkter Nachbarschaft eines Misthaufens – da will die Kaffeepause gut überlegt sein.

Anleger in Workum
Anleger in Workum

Vor Workum, aber in Laufdistanz zum Ortskern gibt es einige Jachthäfen mit guter Versorgung. Da wir aber nur einen Stadtbummel eingeplant hatten und an einem Marrekrite-Anleger übernachten wollen, machten wir Fiona außerhalb der Häfen fest und machten uns auf den Weg Richtung Ortskern.

Wohnhaus oder Kirche?
Wohnhaus oder Kirche?

Workum

Workum City
Workum City

Workum liegt am IJsselmeer und gehört zu den schönsten friesischen Städten. Durch das alte historische Zentrum lässt sich  sehr schön spazierengehen. Man ist umgeben von wunderschönen Giebelhäusern, und immer wieder kommt man an schmucken Lädchen vorbei. Besonders ins Auge gefallen ist uns auch ein Wohnhaus, das einer Kirche nachempfunden ist, die an eben diesem Ort gestanden hatte.

Im Herzen des Städtchens befindet sich der Platz ‚De Merk‘ mit der St. Gertrudiskirche und vielen Terrassen mit Außengastronomie.
Für uns gehört auch immer ein Besuch der an diesem Platz gelegenen  Fischhandlung zum Pflichtprogramm. Gibt es hier doch, sehr lecker zubereitet, unseren geliebten Kibbeling. Kibbeling sind – typisch holländisch – in Backteig frittierte Fischwürfel, meistens mit einer leckeren Remouladen- oder Knoblauchsoße serviert.

802_7887frank-beer_deIm Supermarkt versorgen wir uns noch mit ein paar Kleinigkeiten für den Abend.
Auch an diesem charmanten Gemüsehändler (rechts) kamen wir nicht ohne weiteres vorbei.

Anschließend verlassen wir für heute Workum mit Ziel Heeger Meer / Fluessen. Diese beiden Seen hängen zusammen und bilden gemeinsam einen ca. 12 km langen, 2 km breiten See.

In den Seen sind ein paar Inseln mit Naturhäfen für Marrekrite-Anleger gebaut worden, an denen wir sehr gerne übernachten.
Für heute Abend ist weiterhin gutes Wetter angesagt und wir haben unseren Einkauf auf einen Grillabend ausgerichtet.

Marrekrite-Anleger auf der Insel Langehoekspolle
Marrekrite-Anleger auf der Insel Langehoekspolle

An einer dieser Inseln machen wir fest und packen noch einmal unseren heißgeliebten Grill „Son of Hibachi“ aus.

Grillen am Marrekrite-Anleger
Grillen am Marrekrite-Anleger

 

De Fluezen Impressionen (Heeger Meer)
De Fluezen Impressionen (Heeger Meer)

Als Unterlagen für diesen Tag hatten wir die ANWB Waterkaart B „Friesland“*, den Wasseralmanach 1 Regelwerk für Binnenschifffahrt (BPR) (ANWB wateralmanak)* sowie den Wasseralmanach 2 Daten für Inland Wasserwege (ANWB wateralmanak)*. Gute Dienste leistet auch das Buch Friesland: Zwischen Ems, IJsselmeer, Waddenzee und IJssel Mit Twenterevier und Route durch das Veen* von Manfred Fenzl.

* Affiliate-Link